Die Gebrüder Stitch haben beschlossen, ihr Angebot etwas zu erweitern. Sie setzen dabei auf Accessoires und kooperieren mit Schmuckprofi Andreas Eberharter, der unter anderem Lady Gagas Musikvideos ausstattet.
Nach einem Jahr im Geschäft fällt das Resümee von Moriz Piffl und Michael Lanner, dem modeaffinen Publikum besser als „Gebrüder Stitch“ bekannt, durchaus positiv aus. Im Frühjahr wurden die beiden Neokreativen, ehemals „Marketingfuzzis“, wie sie sich auszudrücken pflegen, bei den Vienna Awards für bestes Label-Branding ausgezeichnet, und die Kundschaft hat ihr im Vorjahr lanciertes Angebot, sich Jeans auf den Leib schneidern zu lassen, gut aufgenommen. „Trotzdem ist unser Produktionsaufwand weiterhin so hoch, dass unsere Gewinnmarge nicht die einer Boutique erreicht, die Stangenware anbietet“, so Moriz Piffl. Also hat man sich von großen Brands etwas abgeschaut und beschlossen, das Angebot etwas zu erweitern.
Dass Luxusmarken mit gebrandeten Merchandising-Artikeln, Accessoires und Beautyprodukten ihr eigentliches Geld machen, dürfte bekannt sein. Auch den Gebrüdern Stitch: „Für uns ist es natürlich von Vorteil“, meint Piffl, „bei Kundengesprächen ein über die Jeans-Couture hinausgehendes Angebot zeigen zu können und so für zusätzliche Deckungsbeiträge zu sorgen.“ Als er und Kollege Lanner auf den Schmuckdesigner Andreas Eberharter trafen, der mit seinem Label ANDi unter anderem Lady Gaga mit Ausstattung für ihre Musikvideos versorgt, stimmte die Chemie gleich, und einer Kooperation stand also nichts mehr im Weg.
Gürtelschnallen und Zierknöpfe. Und so wurden letzte Woche eine eigene Gürtelkollektion sowie Knöpfe mit Schmuckcharakter vorgestellt: „Viele unserer Kunden haben Lust auf Farb- und Formspielereien“, meint Moriz Piffl, und so sei man auf die Idee gekommen, ihnen exklusive Ausstattungsmerkmale wie eben Gebrüder-Stitch-Zierknöpfe in verschiedenen Materialien zusätzlich anzubieten. Die Motive wurden gemeinsam mit dem Grafiker Harald Lustinger erarbeitet, Andreas Eberharter überlegte sich Möglichkeiten der Umsetzung und freut sich über eine reibungslose Zusammenarbeit: „Das Projekt ist genial gelaufen, für mich ist die Kooperation mit anderen Kreativen spannend, weil man anders arbeiten muss und nicht nur seine eigenen Ideen umsetzt.“
Mit den Knöpfen (auch mit 18-Karat-Goldüberzug zu haben!) und Gürteln bereiten die Gebrüder zugleich die Präsentation ihrer nächsten Kollektion auf der im September anstehenden MQ Vienna Fashion Week vor. Man plant die Einführung von Themengruppen, die mit Electro, Hip-Hop, Western und Rock überschrieben sein werden. Fehlt eigentlich nur mehr Barock. Aber für den sorgt ohnehin die Haute-Couture-Konkurrenz in Paris.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2011)