Geldnot in Baden und in der Wiener Kammeroper: Damit ist nicht nur der internationale Belvedere-Wettbewerb für junge Sänger in Gefahr.
Petitionen und Hilferufe begleiten den Sommerbeginn. Wenn heuer, wie gewohnt, das Galakonzert der Finalisten und Preisträger des internationalen Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerbs im Stadttheater Baden stattfindet, dann ist diese Veranstaltung gleich von zwei Seiten kräftig überschattet.
Einerseits haben die Juroren des wie immer aus aller Herren Länder beschickten Sängerwettstreits vor dem Finale einen offenen Brief an den Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny unterzeichnet.
Darin geben sie ihrer Besorgnis darüber Ausdruck, dass die Zuwendungen für die Wiener Kammeroper dramatisch beschnitten wurden. Der Spielbetrieb in der Kammeroper ist damit gefährdet. Aber auch die Abwicklung des Belvedere-Wettbewerbs, den der legendäre Direktor der Kammeroper, Hans Gabor, vor drei Jahrzehnten ins Leben gerufen hat und für den mittlerweile in fünfzig Städten auf allen Kontinenten Vorausscheidungen durchgeführt werden.
Seit Jahr und Tag arrangieren die Mitarbeiter der Kammeroper diesen Bewerb. Wenn die Mittel zum Erhalt des Hauses und des Personalstands nicht mehr ausreichen, dann wird es nicht nur keine Spielzeit im kleinen Haus am Fleischmarkt – mit traditionsgemäß bereicherndem Raritätenspielplan –, sondern auch den Belvedere-Wettbewerb nicht mehr geben, einen Bewerb, aus dem unter anderem Künstler wie Angela Gheorghiu, Maria Bayo, Peter Edelmann oder Egils Silins hervorgegangen sind.
Dominique Meyer unterschrieb
Immerhin finden sich unter den Briefschreibern auch die Namen des amtierenden Wiener Staatsopern-Direktors, des Chefs der Salzburger Osterfestspiele und von führenden Vertretern internationaler Häuser von der Met bis Covent Garden...
Nicht so viele prominente Unterstützer hat – mangels Bekanntheitsgrad – die Onlinepetition des Orchesters der Bühne Baden. Die Musiker haben einen Hilferuf online gestellt, der sie vor massiven finanziellen Einbußen bewahren soll. Nach kräftigen Budgeterhöhungen für die exzellenten Badener Bemühungen um die Operettenkultur gab es heuer einen Rückschlag. Der soll das Orchester treffen, dessen feste Verträge – mit Verweis auf die Reduktion der Kurkonzerte um 50Prozent – in Zehn-Monats-Engagements umgewandelt werden.
Ob die Stadtgemeinde Baden damit nicht wirklich, wie die Musiker schreiben, „zu kurzfristig gedacht hat und leichtfertig eine in ihrer Vielfalt einzigartige Tradition dem Sparstift überlässt“? Wer suchet und richtig tippt, findet: www.openpetition.de/petition/online/faire-arbeitsbedingungen-fuer-das-orchester-baden
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2011)