Wer auf legale Insidergeschäfte schaut, fährt an der Börse entschieden besser. Am besten fährt, wer es den Vorstandsvorsitzenden und den Finanzchefs nachmacht.
Frankfurt/Wien/Ju/Red. Es zahlt sich aus, die legalen Insidergeschäfte von Managern genau zu beobachten: Wenn Manager Aktien des eigenen Unternehmens kaufen oder verkaufen, dann liegen sie damit normalerweise näher an der kommenden Kursentwicklung als wenn externe Experten – etwa die Analysten der Banken – ein Papier bewerten. Das hat jedenfalls das Frankfurter Analysehaus 2iQ Research im Auftrag der „Financial Times Deutschland“ (FTD) herausgefunden.
Das Angenehme daran: Manager und andere Unternehmensinsider müssen jede Transaktion mit eigenen Aktien den Aufsichtsbehörden melden. Und die stellen diese dann normalerweise online. Die sogenannten „Directors Dealings“ in börsenotierten österreichischen Unternehmen sind beispielsweise unter der E-Mail-Adresse www.fma.gv.at/de/unternehmen/emittenten/directors-dealings/directors-dealings-datenbank.html abrufbar.
Die deutschen Experten haben jedenfalls herausgefunden, dass Aktien, die von solchen „Insidern“ gekauft werden, nach drei Monaten im Schnitt um 3,5 Prozentpunkte besser liegen als der Vergleichsmarkt. Auf der anderen Seite entwickelt sich ein Titel, der von den Managern des eigenen Unternehmens verkauft wird, in drei Monaten im Schnitt um 2,1Prozent schlechter als der Gesamtmarkt. Damit sind die „Directors Dealings“ ein deutlich exakteres Signal als etwa die Empfehlungen von Analysten.
Allerdings: Insider ist nicht Insider. Am besten fährt, wer es den Vorstandsvorsitzenden und den Finanzchefs, die offenbar die tiefsten Einblicke in den Zustand ihrer Unternehmen haben, nachmacht. Die ebenfalls als Insider geführten Aufsichtsräte dagegen beschäftigen sich mit den von ihnen kontrollierten Unternehmen weniger intensiv: Ihr „Erfolg“ mit dem Handel eigener Aktien liegt ungefähr auf dem Trefferniveau externer Aktienanalysten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2011)