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Oligarch: "Wir sind nicht verlängerte Arm des Kreml"

(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
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Der russische Milliardär Viktor Vekselberg will nicht mit anderen Oligarchen in einen Topf geworfen werden. Aus der Politik hält er sich heraus und arbeitet lieber am Aufbau einer russischen Hightechwirtschaft.

Die Presse: Das Projekt Skolkovo soll ein neues russisches Silicon Valley werden. Ist es möglich, ein neues Silicon Valley mit genügend Geld einfach auf dem Reißbrett zu entwerfen?

Viktor Vekselberg: Wir wollen kein neues Silicon Valley errichten. Denn das ist nicht möglich. Das Silicon Valley hat sich unter ganz anderen Gegebenheiten entwickelt. Zu versuchen, das nachzumachen, würde nicht funktionieren. Aber wir wollen die Erfahrungen aus dem Ökosystem Silicon Valley übernehmen und für uns nutzen.

 

Skolkovo ist ja ein politisches Projekt. Es ist bekannt, dass Russland seine Wirtschaft weg von Rohstoffen hin zu Hightech wandeln will. Sie wurden als Koordinator für Skolkovo ausgewählt. Wie ist Ihre Beziehung zur russischen Politik und dem Kreml?

Zuerst einmal möchte ich eines feststellen: Skolkovo ist kein politisches Projekt. Es stimmt zwar, dass die russische Regierung und Präsident Dmitrij Medwedjew die Initiatoren des Projekts waren. Es ist jedoch in erster Linie ein wirtschaftliches Projekt. Wie Sie gesagt haben, soll die russische Wirtschaft in Richtung Hightech entwickelt werden. Es geht aber auch darum, die Mentalität der russischen Wissenschaftler zu ändern. Sie sollen ein Umfeld erhalten, in dem sie ihre Forschungen auch kommerziell umsetzen können. In den vergangenen 20 Jahren sind gute Leute ja immer ins Ausland abgewandert. Skolkovo allein wird dafür nicht reichen. Es soll aber ein Pilotprojekt sein.

 

Neben dem Projekt Skolkovo beschäftigen Sie sich mit Ihrem eigenen milliardenschweren Industriekonglomerat. In Beschreibungen werden Sie als Oligarch bezeichnet. Sehen Sie sich selbst als Oligarch?

Ich hoffe, dass nach diesem Interview das Wort Oligarch vor meinem Namen verschwindet und durch Innovator oder Skolkovo-Koordinator ersetzt wird. Das Wort Oligarch gibt sehr verkürzt wieder, wer ich bin.

 

Im Westen gibt es viele Vorbehalte gegen reiche russische Geschäftsleute, die Firmen kaufen. Auch Sie selbst hätten das bei Ihren Investments in der Schweiz gespürt, sagten Sie einmal. Verstehen Sie diese Ängste?

Zuerst einmal: Inzwischen hat diese Angst bei den Schweizer Aktionären abgenommen. Und dann möchte ich klar sagen, das wir großen russischen Geschäftsleute alle unterschiedlich sind. Man sollte uns nicht in einen Topf werfen. Diese Klischees, wonach russische Geschäftsleute der verlängerte Arm des Kremls seien, oder andere negative Aspekte, die man ihnen verbindet, stimmen nicht mehr. Da hat sich seit dem Beginn der wirtschaftlichen Entwicklung des neuen Russland vieles verändert.

 

Es wird ja oft gerätselt, woher dieser unermessliche Reichtum der vielleicht 20 Oligarchen kommt. Wie haben Sie Ihre ersten Millionen verdient?

Ich bin ja nicht mehr so jung und schon seit mehr als 20 Jahren in der Wirtschaft tätig. Mein erstes Kapital habe ich während der Privatisierungen in den frühen 1990er-Jahren angehäuft. Und es kann niemand leugnen, dass die Chancen damals einzigartig waren und auch nicht mehr so schnell kommen werden. Aber diese Möglichkeiten waren nicht nur auf Russen beschränkt. So hat etwa BP über sein Joint Venture TNK-BP sicherlich seine besten Gewinne in Russland erzielt. Und ich denke nicht, dass die Aktionäre von BP ihre Manager dafür kritisieren, dass der Gewinn so hoch ist.

 

In einem Porträt wurden Sie einmal in der Weise beschrieben, dass Sie auch deshalb erfolgreich sind, weil Sie sich aus der Politik heraushalten. Sehen Sie das auch so?

Es stimmt, dass ich mich nicht in die Politik einmische. Ich würde aber nicht sagen, dass ich erfolgreich bin, weil ich mich nicht einmische. Erfolgreich bin ich aus anderen Gründen.

Dennoch haben Sie aufgrund Ihrer Zurückhaltung vermutlich auch nie Probleme bekommen. Anders als der wegen Steuerhinterziehung verurteilte Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowski. Dessen Schwierigkeiten begannen, kurz nachdem er politische Ambitionen öffentlich gezeigt hatte. War das Zufall?

Sie haben vorhin gerade gesagt, dass ich mich nicht in politische Themen einmische. Warum dann politische Fragen?

 

Okay. Sie wollen dazu nichts sagen. Zurück zu Ihren wirtschaftlichen Aktivitäten. Sie besitzen im Westen – vor allem in der Schweiz – bereits mehrere Firmen. Wollen Sie auch in Österreich als Investor tätig werden?

Meine persönliche Teilnahme an Skolkovo hat ja mit meiner Investitionstätigkeit im Hightechsektor zu tun. Die Schweizer Investitionen gingen auch in diesen Bereich. In Österreich prüfen wir einige interessante Möglichkeiten. Es ist aber noch zu früh, darüber zu reden.

 

Sie hatten mit zwei österreichischen Investoren – Ronny Pecik und Georg Stumpf – ja eine langjährige Partnerschaft. Inzwischen soll das Verhältnis abgekühlt sein. Warum?

Abgekühlt ist nicht das richtige Wort. Wir haben menschlich immer noch ein gutes Einvernehmen. Es gibt aber keine gemeinsamen Projekte mehr, und daher gibt es auch nicht mehr so eine intensive Kommunikation.

Auf einen Blick: Viktor Vekselberg und das Projekt Skolkovo

Viktor Vekselberg ist einer jener russischen Oligarchen, die durch die Privatisierungen der 1990er-Jahre reich geworden sind. Gemeinsam mit Oleg Deripaska und Roman Abramowitsch besitzt er den weltgrößten Aluminiumhersteller Rusal und andere Rohstoff- und Hightechfirmen. In der „Forbes“-Milliardärsliste liegt er mit 13 Mrd. Dollar auf Platz 57. Der 54-jährige Mathematiker war vor seiner Karriere als Geschäftsmann Wissenschaftler. Er hält sich aus der Politik heraus, soll aber dennoch gute Kontakte zum Kreml haben. Diese soll er auch immer wieder nutzen.

Das Projekt Skolkovo
soll 20 Kilometer westlich von Moskau ein Innovationszentrum für 40.000Wissenschaftler schaffen. Weltweit wurden Firmen eingeladen, sich daran zu beteiligen. Am Dienstag unterschrieb Infrastrukturministerin Doris Bures ein Kooperationsabkommen mit Vekselberg. Von 20 heimischen Firmen (darunter Magna, AVL, Frequentis) gibt es bereits Absichtserklärungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2011)