UniCredit-Chef: Nur Wachstum bringt Italien aus Krise

Unicredit CEO Ghizzoni sieht in Italien andere Probleme als in Griechenland
Unicredit CEO Ghizzoni sieht in Italien andere Probleme als in Griechenland(c) REUTERS (Stringer Afghanistan Admin)
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Ghizzoni sieht Italien nicht von der Pleite bedroht. Die großen Probleme liegen im Wachstum und in der Kluft zwischen Norden und Süden.

Der Vorstandschef der italienischen Bank-Austria-Mutter UniCredit, Federico Ghizzoni, befürchtet in Italien keine Krise nach griechischem Modell. Das von den Ratingagenturen unter Druck gesetzte Italien lässt sich laut Ghizzoni mit dem pleitebedrohten Griechenland nicht vergleichen.

Italien sei zwar von einer riesigen öffentlichen Staatsschuld belastet, die 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmache. Die italienischen Familien seien jedoch europaweit am geringsten verschuldet und das Etatdefizit, das circa vier Prozent des BIP ausmache, sei niedriger als in anderen EU-Ländern, sagte Ghizzoni. Daher sei Italien keineswegs mit den sogenannten PIGS-Staaten (Portugal, Irland, Griechenland, Spanien) vergleichbar.

Kein Wachstum im Süden

Italiens Problem sei nicht nur die Verschuldung, sondern auch das extrem langsame Wachstum und die sich weiter vergrößernde Kluft zwischen dem Norden und Süden des Landes. Während die Wirtschaft in Norditalien um 2,5 Prozent steige, liege Süditalien lahm. Daraus ergebe sich ein Wachstum von cirka ein Prozent, was für das Land ungenügend sei.

Wichtig sei, das strukturelle Wachstum der Unternehmen zu fördern. Klein- und Mittelunternehmen würden das wirtschaftliche Rückgrat Italiens bilden, in dieser Phase sei es durchaus wichtig, ihre Dimension zu vergrößern. Auch mit einer stärkeren Liberalisierung und Maßnahmen zur Förderung der Konkurrenz könne das Wachstum im Land vorangetrieben werden, erklärte der UniCredit-Chef.

UniCredit-Chef steht hinter Sparpaket

Ghizzoni begrüßte den Sparplan der Regierung Berlusconi mit schuldeneindämmenden Maßnahmen im Wert von 47 Milliarden Euro. Das Sparpaket entspreche den Richtlinien der EU und sei entscheidend, um bis 2014 das Defizit auf Null zu drücken.

Laut dem UniCredit-Chef sei die schwere Wirtschafts- und Finanzkrise endgültig überwunden, und eine neue Welt daraus hervorgegangen sei. "Die Schwellenländer wachsen wie vor der Krise, während der Westen langsamer wächst. Wir müssen uns der neuen Realität anpassen. Wichtig ist dabei aber, dass der übertriebenen Volatilität der Finanzmärkte Schranken gesetzt werden", betonte der Konzernchef.

Ghizzoni erklärte, dass UniCredit in den nächsten Jahren die Eröffnung von rund 300 neuen Filialen plane. Das Wachstum werde sich vor allem auf die Türkei, Polen, die Tschechische Republik und Rumänien konzentrieren. Allein in Polen sollen 100 neue Filialen eröffnet werden.

(APA)

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