Die kränkelnde Europäische Union sollte sich am polnischen Vorbild erbauen. Tusk ist zum Hoffnungsträger all jener Europäer geworden, deren Horizont nicht am nächsten Stammtisch endet.
Wer Polens Ministerpräsidenten Donald Tusk zuhört, darf sich darüber freuen, dass ein nachdenklicher, weltoffener Mann die Regierung dieses großen Landes führt. Tusk ist zum Hoffnungsträger all jener Europäer geworden, deren Horizont nicht am nächsten Stammtisch endet.
Einiges kann sich Europa von Polen abschauen; den Umgang mit der drohenden Staatspleite etwa. „Wir hatten 1989 keinen Rettungsschirm“, sagen Polen heute oft, wenn sie Bilder von Athener Streiks sehen. Sicher: Die Radikalkur der 1990er-Jahre hat zum Aufstieg der bigotten Kaczyński-Brüder beigetragen, deren schriller Chauvinismus Polens Ruf in der Welt stark beschädigt hat. Doch die Polen haben sich, wie schon 1989, auf demokratische Weise davon befreit. „Noch ist Polen nicht verloren“, heißt die erste Zeile der Nationalhymne. Staatsmänner wie Tusk nähren die Hoffnung, dass dies auch für die EU gilt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2011)