Harry-Potter-Premiere: Das Ende eines Jugendtraums

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Was wurde eigentlich aus...? Mit dem letzten Film geht eine Ära zuende. Schon vor der Premiere des letzten Potter-Teils arbeiten seine Stars hart, damit diese Frage nicht zu bald kommt.

Spätestens in den dunklen Tiefen des britischen Waldes „Forest of Dean“ wurde es auch den Potter-Fans der alten Schule klar: Die Zeiten, in denen Harry-Potter-Filme neben magischen Duellen vor allem die abenteuerlichen Aspekte jugendlichen Internatslebens schmackhaft machten, waren vorbei. Worüber Harry, Hermine und Ron im siebten Teil der Serie auf ihrer Flucht in Wäldern und auf Hochebenen stritten, das war kein Kinderkram mehr: Treue, Liebe, Vertrauen und Rückgrat – harter Stoff für viele jüngere Fans.

Denn die älteren, heute etwa 20- bis 24-Jährigen, die bei der Veröffentlichung des ersten Teils ähnlich alt wie die Protagonisten waren, sind mit ihnen längst erwachsen geworden. Und daher mit ähnlichen, wenn auch seltener an Flüche und Zauberstäbe geknüpften Lebensfragen konfrontiert. Wenn also keinem Drehbuchautor eine gute Harry-Potter-Sitcom einfällt (eine Londoner WG zum Beispiel, warum eigentlich nicht?), dann passt es gut, dass die Londoner Premiere des zweiten Teils von „Heiligtümer des Todes“ am Donnerstag nach der literarischen Potter-Ära nun auch die filmische abschließt.

In Österreich feiert der Film am 13. Juli Premiere. Zwar will Autorin Joanne K. Rowling ihr Lebenswerk noch nicht ganz sterben lassen (im Oktober startet sie eine Website mit unveröffentlichten Kapiteln) – für die drei Hauptdarsteller ist jedoch klar: Mit dem letzten Film geht nicht nur eine Ära, sondern auch ein für Jungschauspieler selten langes Beschäftigungsverhältnis zu Ende. Die heute 21-jährige Emma Watson nahm bereits im Alter von neun Jahren alias Hermine an den Dreharbeiten teil.

Daniel Radcliffe alias Harry und Rupert Grint (Ron) riss die Filmindustrie ähnlich früh mit in ein Leben, das Radcliffe kürzlich etwas unbeholfen und wenig schwärmerisch als „some sort of famous person's lifestyle“ bezeichnete: In dem wohl boulevardtauglichsten Interview seiner Karriere beichtete Radcliffe dem „GQ“-Magazin, sich im Alter von 18 Jahren während der Dreharbeiten „sehr auf Alkohol verlassen zu haben, um das Leben genießen zu können“.
Heute trinkt Radcliffe nach eigenen Angaben gar keinen Alkohol. Der 21-Jährige arbeitet hart daran, sein Renommé in der Theaterszene zu festigen: 2007 stand er im Londoner Gielgud Theatre medienwirksam und nackt auf der Bühne, seine momentanen Auftritte in einem Broadway-Musical werden von Kritikern milde, aber dennoch unmissverständlich behandelt: Die „New York Times“ lobte neben seiner klaren Aussprache vor allem Radcliffes „Eifer, die Rolle gut spielen zu wollen“. Nun ja.

Genug Geld hat „Harry Schotter“, wie Kritiker des Potter-Merchandising ihn nennen, Radcliffe zweifellos gebracht, um eine Zeit (oder ein Leben) lang auszukommen: Sein Vermögen wird auf 47 Mio. Euro geschätzt, jenes von Emma Watson auf 25 Mio.

Wobei Letztere sich am erfolgreichsten in der Nachwelt positionierte – wenn auch als Model: Ihr mädchenhaft braver „British Look“ brachte ihr eine Werbekampagne für Burberry ein, dann engagierte sie das französische Kosmetikhaus Lancôme. Momentan ziert die 21-Jährige das Cover der amerikanischen Vogue: Dunkler Lippenstift, extravagantes Kleid, Kurzhaarschnitt – Emma Watson hat sich längst neu erfunden. Derzeit dreht sie die Verfilmung des amerikanischen Jugendbuchs „The Perks of Being a Wallflower“, irgendwann möchte sie ihr Kunststudium an der Brown University in den USA fortsetzen. Ihre Rolle als schlaue Hermine habe sie zu einem „besseren Menschen“ gemacht, resümierte Watson gestern in London.

Schwieriger wird es für Rupert Grint – er darf Watson alias Ron im letzten Teil zwar endlich küssen, wirklich etabliert hat er sich sonst nicht. Der 22-Jährige gab mehrfach an, sich für Musik zu interessieren. Erfolg hatte er damit schon: Im Bewerbungsvideo für seine Rolle als Ron trug er einen selbst verfassten Rap-Song vor.

Auf einen Blick

Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint sind die Hauptdarsteller der Harry-Potter-Filmreihe.

Die Premiere von „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2“ fand gestern, Donnerstag, in London statt. In Österreich ist der Film ab 13. Juli zu sehen, Double-Features (zuerst der erste, dann der zweite Teil) gibt es schon in der Nacht des 12. Juli. Nach dem ruhigeren, teils gefühlsbetonten ersten Teil verspricht der zweite Teil mehr actionreiche Zauberduelle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2011)

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