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EZB kämpft weiter gegen die Inflation

(c) Dpa/Frank Rumpenhorst (Frank Rumpenhorst)
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Die Europäische Zentralbank hat die Leitzinsen am Donnerstag auf 1,5 Prozent angehoben. Dadurch steigen in Österreich auch Spar- und Kreditzinsen. Die nächste Erhöhung könnte bereits im Herbst folgen.

Frankfurt/Wien/Ag./Juk/Weber. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag wie erwartet ein weiteres Mal an der Zinsschraube gedreht. Der Leitzinssatz steigt von 1,25 auf 1,5 Prozent. EZB-Direktor Jean-Claude Trichet begründete den Schritt auf einer Pressekonferenz mit anhaltenden Inflationsrisken. Die Versorgung der Märkte mit Geld im Euroraum sei immer noch hoch.

Auch steigende Energiepreise nannte der Franzose als Gefahr für die Preisstabilität, das oberste Ziel der Notenbank. Nach wie vor seien die Zinsen im Euroraum niedrig, weswegen die Zentralbank die Situation „sehr genau“ beobachten werde. Damit behält sich Trichet weitere Zinserhöhungen vor. Experten rechnen damit, dass die nächste Erhöhung bereits im Herbst folgen könnte.

Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und EZB-Rat, verteidigte die Zinserhöhung. Es sei nicht mehr notwendig, im Krisenmodus zu verharren. Kritik kommt hingegen von Wirtschafts- und Arbeiterkammer. Beide warnen davor, dass die Zinserhöhung die Erholungsbemühungen verschuldeter Eurostaaten erschweren könnte. Dies gilt es von der EZB zwar zu berücksichtigen, allerdings kämpft die Zentralbank auch auf einer zweiten Front: Die Teuerungsrate in der Eurozone stieg wegen des Aufschwungs in anderen Ländern zuletzt auf 2,7 Prozent.

 

Spar- und Kreditzinsen steigen

Auch in Großbritannien gab es am Donnerstag eine Zinsentscheidung. Die britische Notenbank entschied sich jedoch, den Leitzins von derzeit 0,5 Prozent nicht anzurühren. Die Wirtschaft im Vereinigten Königreich wuchs im ersten Halbjahr nur langsam. In den USA verharrt der Leitzins bereits seit Ende 2008 bei null bis 0,25 Prozent. Eine Erhöhung wird erst im kommenden Jahr erwartet.

Von der Erhöhung des EZB-Leitzins profitieren auch die Sparer in Österreich. Die Erste Bank erhöht die Zinsen für Sparbücher mit fixer Laufzeit um 0,25 Prozentpunkte. So bekommt man für ein Sparbuch mit einem Jahr Laufzeit nun zwei Prozent statt bisher 1,75 Prozent Zinsen. Die Erhöhung gilt rückwirkend für 1. Juli, sagte Sprecher Peter Thier. Die Bank Austria hat mit 1. Juli die Zinsen für ihr Sparbuch mit elf Monaten Laufzeit um 0,25 Prozentpunkte auf zwei Prozent angehoben. Die Raiffeisenbank Niederösterreich-Wien hat die Zinsen bereits erhöht, heißt es. Auch beim Raiffeisen-Online-Sparen wurden die Zinsen mit 1. Juli um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Für ein täglich fälliges Online-Sparbuch mit einer Einlage ab 50.000 Euro betragen sie nun 0,75 Prozent. Beim sogenannten „Prämiensparen“ wurden die Zinsen Ende Juni um 0,375 Prozentpunkte auf ein Prozent erhöht: Dabei handelt es sich jedoch um das „Sumsi-Sparen“ für Kinder bis zehn Jahre – das Geld sei täglich behebbar und könne auch von Erwachsenen für Kinder abgeschlossen werden, so Sprecherin Michaela Stefan.

Auch einige Onlinebanken haben die Zinserhöhung vorweggenommen: So erhöhte die Easybank ihre Zinsen für eine Laufzeit von vier Jahren um bis zu 0,5 Prozentpunkte. Für eine Einlage bis 7000 Euro betragen die Zinsen bei vier Jahren Laufzeit 2,4 statt 2,1 Prozent. Ab 35.100 Euro bekommt man drei statt 2,5 Prozent.

Indirekt dürften mit der Zinserhöhung auch die Kreditzinsen steigen. Diese richten sich jedoch oft nach dem Euribor (das ist jener Zinssatz, den die Banken untereinander verrechnen, für Private gibt es Aufschläge), der Leitzinserhöhungen in der Regel vorwegnimmt.

Grafik: Die Presse

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2011)