Eisbären und Braunbären haben sich oft gekreuzt, am folgenreichsten vor 50.000 bis 20.000 Jahren im vergletscherten Irland, wo sich das Erbe der heutigen Eisbären formte. Befunde bringen Artenschützern Problem.
Eisbären und Braunbären sehen ganz anders aus – von der Körpergröße bis zur Zahnstruktur –, sie pflegen auch höchst unterschiedliche Lebensstile, die einen sind vorzügliche Schwimmer, die anderen klettern in den steilsten Berghängen herum. Und doch erkennen sie einander, wenn sie sich begegnen: Sie können sich miteinander reproduzieren. Das tun sie seit einiger Zeit auch, man hat schon etliche ausgewachsene Hybriden beobachtet, es kommt vom Wandel des Klimas bzw. der Habitate: Wenn das Eis sich ausdünnt und rascher schmilzt wie derzeit in der Arktis, müssen die Eisbären aufs Land ausweichen, dort begegnen sie den Braunbären, und manche erlernen gar das Klettern und räumen an den Küsten Vogelnester aus.
Vielleicht liegt es an den Genen. Denn der jetzige Klimawandel ist nicht der erste, und die Bären haben einander nicht zum ersten Mal folgenreich getroffen. „In den letzten 100.000 Jahren haben sie sich vermutlich oft gekreuzt“, erklärt Beth Shapiro (Penn State University), „es gibt für ihre Heiraten keine großen Barrieren.“ Eine dieser Begegnungen wurde schon früher dokumentiert: Vor 14.000 Jahren kamen auf Inseln Alaskas Braunbärgene in den Eisbär-Genpool, und zwar mitochondriale Gene, das sind die in den Zellkraftwerken, sie gehen nur von den Müttern an die Kinder.
Wanderung an die wärmeren Küsten
Die Analyse dieser Gene hat Shapiro nun in die zeitliche Tiefe getrieben, 120.000 Jahre zurück. Dabei stieß sie auf eine frühere Hybridisierung, die vor 50.000 bis 20.000 Jahren das Erbe der heutigen Eisbären formte. Und zwar in Irland, das damals weithin vergletschert war, die Eiszeit herrschte. Und so wie in warmen Zeiten die Eisbären ihre Habitate verlieren, müssen in kalten Zeiten die Braunbären wandern, herab von den vereisten Bergen an die wärmeren Küsten. Das taten Braunbären, die später, vor 9000 Jahren, ausstarben, aber mitochondriale Gene von ihnen sind in den Eisbären noch da (Current Biology, 7. 7.). Wie es mit dem männlichen Erbe aussieht, ist noch nicht geklärt, es sitzt in der Kern-DNA, sie harrt der Analyse.
Aber schon der jetzige Befund bringt Artenschützern ein Problem: Die alten Hybriden sind heute bedroht und geschützt. Aber die gegenwärtigen Hybriden sind eher unerwünscht, man fürchtet eine Gefährdung des Genpools, gar ein Aussterben der Eisbären auf diesem Weg.
Dann wären sie wieder da, wo sie einmal hergekommen sind: Alle Eisbären entstanden vor 800.000 bis 150.000 an der sibirischen Küste aus Braunbären. Es war so rasch kalt geworden, dass sie nicht mehr flüchten konnten.