Wer spät ins Büro kommt, hat nichts zu verbergen

(c) Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)
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Jetzt haben auch für die letzten Schüler Österreichs die Ferien begonnen. (Und für deren Eltern.)

Dieser Tage sind in den entweder um den entscheidenden Tick zu kühlen oder aber maßlos heißen Büros häufig Mitarbeiter anzutreffen (Name der Redaktion bekannt), die auffallen. Nicht, weil sie die Kollegen mit einem Auftritt in kurzer Männerhose oder in bikinioberteilähnlichem Top irritieren. Das heißt nicht, dass es derartiges Vorkommnis nicht gebe. Zu denken gibt jedoch anderes. Während des Jahres finden sich diese Mitarbeiter pflichtbewusst früh im Büro ein. Nur jetzt, da ist alles anders. Sie sind plötzlich die Letzten, die kommen, schuldbewusst die Augen zu Boden gerichtet, unter denen dunkle Ringe schlecht bis gar nicht kaschiert sind.

Was ist da passiert? Anfangs dachte man noch, die laue Sommernacht sei mit einer weniger lauen Sommernachtsparty durchgefeiert worden. Aber dann: Nacht für Nacht? Diskrete Nachforschungen bringen wenig indiskrete Erkenntnisse. Diese Sommerspätzurarbeitkommer sind genau betrachtet in Wahrheit keine Sommerspätzurarbeitkommer, sondern Ferienspätzurarbeitkommer. Understand? Sie haben für neun Wochen ein, zwei, drei Kinder zu Hause. Auch des Morgens. Während die Kinder üblicherweise in der Schule oder im Kindergarten sitzen, räkeln sie sich nun noch im Bett und fallen von einer Traumphase in die nächste. Bis sich endlich so etwas wie Alltagsroutine für Wecken, Bringen zu Oma, Opa, in das Feriencamp, zur Freundin, zum Freund etc. einschleift, sind die Ferien wieder vorbei. So lange sind sie dann doch auch wieder nicht. Und die dunklen Ringe? Ach ja, die sind durch den Schlafentzug erklärt. Denn welches Kind will denn allen Ernstes schlafen gehen, bevor die Sonne nicht mindestens ein, zwei Stunden untergegangen ist? Wir verstehen.

E-Mails an: dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2011)

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