Grundsätzlich sind die Börsen wieder einigermaßen im Aufwärtsmodus. Wieso Apple nach längerer Schwäche jetzt wieder appetitanregend aussieht und der DAX momentan den allerbesten Eindruck macht.
Na also, geht ja doch: Nach einer längeren Durstphase erlebten die Börsen in der vergangenen Woche wieder eitel Sonnenschein. Zumindest bis Freitagnachmittag, als ein paar von schlechten US-Arbeitsmarktdaten erzeugte Wolken den Börsenhimmel verdüsterten.
Grundsätzlich sind die Börsen jetzt aber wieder einigermaßen im Aufwärtsmodus. Zumindest die großen. Denn die Gesamtwetterlage hat sich in den vergangenen Monaten massiv umgestellt: Das große Geld flüchtet immer massiver aus den Schwellenländern, aber auch aus kleinen Märkten in der entwickelten Welt, und stürzt sich auf vermeintlich sichere große Aktien in großen Märkten.
Das trifft kleinere Märkte wie die Wiener Börse schwer, die nicht nur unter den Vorwellen der neuen Wertpapier-Kest leidet. Der ATX oszilliert derzeit jedenfalls in einem ausgeprägten Abwärtskanal, aus dem er bisher nicht herausgefunden hat.
Im Gegenzug begünstigt das vor allem zwei Märkte: die Wall Street und die deutschen Börsen. Besonders der deutsche Leitindex DAX sieht charttechnisch derzeit ziemlich gut aus. Analysten geben ihm schon Kursziele von bis zu 7800Punkten. Das wären fast 400 Punkte Aufwärtspotenzial. Wer diesen Trend beim Investieren jetzt berücksichtigt und vorerst einmal Standardwerte an großen Börsen bevorzugt, macht wahrscheinlich zumindest nichts falsch.
Ein solcher Standardwert an einer großen Börse, den man sich näher anschauen könnte, ist die Aktie des US-Computerkonzerns Apple(ISIN US0378331005). Die hat bis vor wenigen Wochen gar nicht gut ausgesehen. Auf einen Rückfall auf knapp über 310Dollar folgte allerdings eine beeindruckende Gegenbewegung, die das Papier binnen weniger Tage in die Gegend von 357Dollar führte. Der Wert hat bereits vor einigen Tagen ein starkes Kaufsignal im Trendfolgeindikator MACD generiert. Gegen Ende der abgelaufenen Woche sprangen noch ein paar andere Indikatoren auf Grün. Und dass die Aktie das von überraschend schlechten Arbeitsmarktdaten ausgelöste Zwischenkursmassaker in New York am Freitag so gut überstanden hat, spricht zusätzlich für die aktuelle Stärke.
Vorausgesetzt, dass das Börsenklima halbwegs freundlich bleibt, sollte das bisherige Allzeithoch von knapp 365 Dollar kein großes Problem mehr sein. Die meisten Analysten führen den „Apfel“ mit Kurszielen jenseits der 400 Dollar. Das sieht auch auf dem derzeitigen Niveau noch nach Kauf aus.
In Deutschland sehen derzeit zwei Nebenwerte charttechnisch sehr gut aus: Pfeiffer Vacuum(ISIN DE0006916604) und SGL Carbon(ISIN DE0007235301). Besonders gilt das für Pfeiffer Vacuum: Die Aktie des Traditionsunternehmens, das zu den Weltmarktführern für Vakuumtechnik gehört, hat ihren Abwärtstrend Mitte Juni gestoppt, einen charttechnisch geradezu mustergültigen Turnaround hingelegt, die 50- und die 200-Tage-Linie wieder nach oben durchbrochen und die Trendfolgeindikatoren auf Grün gestellt. Am Freitag stand das Papier bei 89 Euro, Analysten halten ein kurzfristiges Durchschlagen der 200-Euro-Marke für nicht ausgeschlossen.
Nicht ganz so perfekt sieht der Chart des Kohlenstoff-Verbundstoffherstellers SGL Carbon aus. Aber die Aktie bewegt sich seit Anfang Mai in einem schönen, stabilen Aufwärtstrendkanal und ist nun in der Gegend ihres Allzeithochs angekommen. Dort dürfte aber noch nicht Schluss sein. Ein Kurspotenzial von 20Prozent dürfte noch drin sein.
Natürlich gilt, dass ein Engagement auch in diesen Titeln nur unter strikter Verlustbegrenzung eingegangen werden darf. Das sei hier deshalb besonders erwähnt, weil es Ende Juni den chinesischen Windkrafterzeuger A-Power wegen der Einstellung chinesischer Windkraftsubventionen „aufgestellt“ hat: Totalverlust. Die Aktie war einer der Highflyer des Jahres 2009– und damals als solcher auch an dieser Stelle positiv besprochen worden.
Wieder ein Beweis dafür, dass Erfolg und Crash an der Börse eng beieinander liegen. Wer den hier immer wieder gepredigten Grundsatz der strikten Verlustbegrenzung einhält, den kann solches freilich kaltlassen: Der wäre auch bei A-Power ein paar Prozent unter dem Höchstkurs ausgestiegen. Große Verluste lassen sich an der Börse kaum noch aufholen. Sie müssen deshalb– im Notfall auch durch Akzeptanz eines kleinen Verlusts– unter allen Umständen vermieden werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2011)