Goldminenaktien entwickeln sich nicht parallel zum Goldpreis – und sind billig. Sie reagieren sensibel auf Unsicherheit und allgemeine Börsenschwäche.
Dass sich die Kurse von Goldminenaktien so gut wie immer einigermaßen parallel zum Goldpreis entwickeln, ist ein nicht ausrottbares Märchen. Eines, das heuer bereits eindrucksvoll widerlegt wurde: Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis (auf Dollarbasis) um satte 20 Prozent gestiegen, der von Goldminenaktien aber um acht Prozent gefallen.
Das Geheimnis: Minenaktien sind eben Aktien – und sie reagieren damit sensibel auf Unsicherheit und allgemeine Börsenschwäche. Eine Umgebung also, in der Investoren ihr Geld lieber in physisches Gold als in Aktien stecken.
Das könnte sich aber jetzt ändern: Goldminenaktien sind jetzt vergleichsweise niedrig bewertet, und der Eindruck, dass die Wirtschaftswelt auf den finalen Crash zusteuert, hat sich aus den Anlegerhirnen wieder ein wenig verflüchtigt. Nicht wenige Großanleger reagieren darauf, indem sie physisches Gold abstoßen und wieder in die Aktienmärkte gehen. HSBC Global Management hat laut dem Fachdienst „Mineweb“ beispielsweise den überwiegenden Teil seiner physischen Goldbestände abgestoßen – und sich um das Geld Goldminenaktien gekauft. Nach Ansicht der HSBC-Experten hängt die Entwicklung von Goldminenaktien zu zwei Dritteln am Aktienmarkt und nur zu einem Drittel am Goldpreis.
Von den Bewertungen her sind Goldwerte jetzt tatsächlich attraktiv: Der weltgrößte Produzent, Barrick Gold, wird derzeit zu einem KGV von 14 gehandelt, Anglo Gold Ashanti zu 12. Das ist sehr wenig, wenn man Bergbaukonzerne aus anderen Branchen zum Vergleich nimmt: Anglo American wird derzeit etwa zum 40-Fachen seines Jahresgewinns gehandelt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2011)