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Staatstrauer: 71 Leichen aus Schiff in Wolga geborgen

Wolga Schiff gesunken
Einsatzkräfte suchen nach den Toten(c) EPA (Yuri Kochetkov)
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Die Taucher haben den Raum erreicht, in dem sich zum Zeitpunkt des Unglücks 40 Kinder aufgehalten haben. Das Wrack soll vom Grund der Wolga gehoben werden, um die Unglücksursache bestimmen zu können.

Nach der Schiffskatastrophe auf der Wolga mit mehr als 110 Toten haben Taucher 71 Leichen geborgen, darunter auch jene des Kapitäns und seiner Frau, wie Einsatzkräfte nach Angaben der Agentur Interfax mitteilten. In dem Wrack der "Bulgaria", die am Sonntag bei einem Sturm untergegangen war, erreichten die Taucher auch den "musikalischen Salon". Hier sollen sich zum Zeitpunkt des Unglücks 40 Kinder aufgehalten haben.

Nach dem schwersten Schiffsunglück in Russland seit mehr als 20 Jahren gedachte das Land mit einer Staatstrauer der Opfer. An öffentlichen Gebäuden wurden Fahnen auf halbmast gesenkt, größere Veranstaltungen wurden abgesagt. Das Fernsehen verzichtete auf Werbe- und Unterhaltungssendungen. In der Stadt Kasan legten Menschen an der Wolga Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Nach letzten Angaben waren lediglich 79 der 205 Menschen an Bord gerettet worden. Russische Ermittler warfen den Betreibern der "Bulgaria" erneut grobe Verstöße vor. So sei das Schiff technisch marode gewesen und ohne die nötige Lizenz gefahren. Die Schuld liege aber nicht allein an den Unternehmern, sie würden Verantwortungslosigkeit und korrupte Strukturen ausnutzen, hieß es in russischen Medien. "Ohne Protektion von oben kann man ein solches Geschäft nicht betreiben."

Überlebende der Havarie nannten zahlreiche technische Mängel an der über 55 Jahre alten "Bulgaria" als eine der Ursachen für den Untergang. "Der Kahn knarrte wie ein alter Leiterwagen", sagte einer der Passagiere. Das von einem Unwetter aufgewühlte Wasser sei durch die offenen Bullaugen geströmt und habe das Schiff innerhalb von drei Minuten zum Kentern gebracht. Der Kapitän missachtete nach Darstellung der Behörden Unwetterwarnungen, zudem hatte das für 140 Passagiere gebaute Ausflugsschiff viel zu viele Menschen an Bord.

An der Unglücksstelle etwa drei Kilometer vom Ufer entfernt waren weiterhin mehr als 100 Taucher sowie 300 Helfer im Einsatz. Der Zivilschutz kündigte an, die Zahl der Einsatzkräfte noch einmal zu erhöhen, um die Leichen rasch zu bergen. Vorbereitet wurde außerdem ein Großeinsatz zur Bergung der "Bulgaria". Dabei erhoffen sich Ermittler weiteren Aufschluss darüber, wie das Schiff innerhalb nur weniger Minuten sinken konnte. Die russische Regierung hat eine Überprüfung der Binnenflotte angekündigt und will alte Doppeldeckerschiffe vom Typ der "Bulgaria" aus dem Verkehr ziehen.

(Ag.)