Wegen Sprachdefiziten werden Ausländer gerne in bestimmte Schultypen „abgeschoben“. Der Anteil an Schulabbrechern ist hoch. Etwa 27,5 Prozent ist der Anteil in der Neuen Mittelschule
Wien/Red. Wer mangelhaft Deutsch spricht, dem wird in Österreich der Eintritt in die Volksschule oft verwehrt. Bis heute sind die Sonderschulen jene Schulform mit dem höchsten Migrantenanteil – rund 27,8 Prozent der Schüler haben dort eine nichtdeutsche Muttersprache. Zu diesem Ergebnis kommt die Publikation „migration & integration“, die im Zuge des Integrationsberichts erschienen ist. Jene „Schüler, die zum Zeitpunkt der Schuleinschreibung im Alltag kein Deutsch sprechen, sind oft gezwungen, ihre Ausbildung in der Sonderschule zu beginnen“, heißt es dort. Der Staat mache es sich damit zu leicht, kritisieren Wissenschaftler: „Die Sonderschulen sind eine willkommene Alternative, in die Migranten rasch abgeschoben werden können“, sagt Migrationsexperte Heinz Fassmann, Chef des Expertenrats für Integration im Innenministerium, im Gespräch mit der „Presse“.
Hoch ist der Anteil an Migranten mit rund 27,5 Prozent auch in der Neuen Mittelschule. Im Jahr 2009/10 haben somit mehr als 16.800 Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache eine Neue Mittelschule besucht. Immerhin 4600 davon sprechen laut Bericht auch zu Hause nicht Deutsch. Zum Vergleich: An den AHS liegt der Migrantenanteil (trotz Steigerung in den Vorjahren) immer noch bei nur 14,1 Prozent. An den Berufsbildenden Höheren Schulen sind es 11,7 Prozent. Noch weniger sind es – etwas überraschend – an den Berufsschulen: Nur 8,8 Prozent sind Migranten. Die Gründe dafür sind umstritten. Fakt sei jedenfalls, dass das duale Schulsystem in Österreich – also die parallele Ausbildung in Schule und Betrieben – vor allem bei Migranten „nicht sonderlich gut angenommen wird“, sagt Fassmann. Bei Migranten zweiter oder dritter Generation steige die Akzeptanz – viele davon seien aufgrund ihrer österreichischen Staatsbürgerschaft aber statistisch nicht mehr erfassbar.
Migranten bleiben öfter sitzen
Große Unterschiede zwischen Schülern mit deutscher und nichtdeutscher Muttersprache zeigen sich auch bei Schulabbruch und bei Klassenwiederholungen. Von den nichtdeutschsprachigen Schülern, die 2008/09 die vierte Klasse Hauptschule beendeten, haben 13,9 Prozent ihre Ausbildung danach nicht fortgesetzt. Bei Schülern ohne Migrationshintergrund waren es 4,3 Prozent. Auch Klassen müssen Migranten öfter wiederholen: An der Hauptschule liegt der Anteil der Sitzenbleiber bei 4,3 Prozent (bei deutschsprachigen Schülern ist es ein Prozent), in der AHS sind es 6,5 Prozent (3,7 Prozent).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2011)