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Makkabi-Spiele: „Vienna? Very beautiful, very old“

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Sauber, alt und architektonisch spannend, so wirkte Wien auf viele junge Teilnehmer der Makkabi-Spiele, die zum ersten Mal nach Wien kamen. Sie ließen sie am Dienstag mit einer Party ausklingen.

Wien. Eine bemüht versöhnende Sportveranstaltung auf historisch belastetem Boden? Ganz und gar nicht – zumindest nicht in jener Bilanz, die jüdische Jugendliche aus aller Welt nach den ersten Wiener Makkabi-Spielen, die in den vergangenen Wochen rund 2000 jüdische Sportler aus 40 Nationen nach Wien brachten, ziehen.

Und junge Menschen, die stellen bei einem Altersdurchschnitt von 20 Jahren die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer, nicht umsonst ließen sie die Spiele gestern, Dienstag, mit einer von israelischen Künstlern bespielten Party in der (für groß angelegte Feste bekannten) Pyramide im niederösterreichischen Vösendorf ausklingen.

Ein jüdisches Familienfest inklusive körperlicher Betätigung – so beschreiben viele, die am Dienstag bei Zimtschnecken, Limonade und Jazzmusik den letzten Wettkampftag im Hakoah-Sportzentrum ausklingen ließen, ihre Erfahrungen der vergangenen Woche. „Ich bin Schachprofi, ich habe also schon viele große Turniere gesehen, aber so etwas noch nie“, sagt Georg Meier, der aus dem deutschen Trier nach Wien reiste – um gleich das gesamte Schachturnier zu gewinnen.

 

Südamerikanische Begegnungen

Den 23-Jährigen haben die vielen Begegnungen in Wien auch ein Stück näher an seine eigene Familiengeschichte gebracht, deren Hauptschauplätze durch Tausende von Kilometern getrennt sind: Meiers Großeltern flüchteten vor den Nationalsozialisten nach Paraguay, seine Mutter wuchs dort auf. Für ihren Sohn ist das kleine Land im Herzen Südamerikas heute „eine zweite Heimat“. In Wien traf Meier gleich auf mehrere Menschen mit ähnlichen Verbindungen nach Paraguay: „Es war spannend, sich darüber auszutauschen.“

Ähnlich erfolgreich wie Meiers Besuch war auch jener der amerikanischen Jugendmannschaft, die über 70 Medaillen erspielte – und vor allem erschwomm. Schwimmerin Caroline Vexler verlässt Österreich zwar bereits am Donnerstag wieder, um im Becken zu Hause in Ohio den nächsten Wettkampf zu bestreiten – die architektonischen Eindrücke aus Wien werde sie jedoch noch lange behalten. Im Gegensatz zu Schwimmkollegen Tristan Marsh, dem Wiens Geschichte vor seiner Abreise nach Wien schon zu denken gab, hat Caroline Vexler erst im Rahmen des Bildungsprogramms der Makkabi-Spiele Näheres über die Zerstörung des jüdischen Wiens während der Nazi-Zeit erfahren. „Es war interessant, aber meine Perspektive auf Österreich hat sich dadurch nicht negativ verändert.“ Ihrer Teamkollegin Remy Solomon, die die Sicherheitsvorkehrungen lobt, pflichtet sie dennoch bei. „Wir sind Amerikaner und Juden“, so Solomon, „bei dieser Kombination kann man nie sicher sein, ob einen nicht ein kleines Grüppchen aus irgendwelchen Gründen hasst und was ausheckt.“

An dieses Risiko hat Gal Wainshtein aus Tel Aviv während ihres Aufenthalts in Wien nicht gedacht. „Clean, very beautiful, very old“, so beschreibt die junge Chorsängerin ihr Bild von Wien. Die Oper habe sie sehr beeindruckt – ansonsten fügen sich ihre Beschreibungen gut in jenes Gefühl für die Stadt, dass viele junge Makkabispieler entwickelt haben: Wien, für sie eine saubere, sichere und schöne Kulisse für ein sportliches Familienfest.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2011)