Umfrage
Töchter und Söhne im Hymnen-Check
"Blödsinn", "super": Herr und Frau Österreicher reagieren gespalten auf die Töchter in der Hymne. Doch wie gut kennen sie den alten Text? Eine Umfrage.
Im Land der Berge werden künftig auch die großen Töchter besungen. Ob das wirklich notwendig ist? Diese Frage spaltet die Österreicher(Innen), wie eine Umfrage von DiePresse.com auf den Straßen Wiens zeigt. Die Reaktionen reichten von "super" über "wurscht" bis "sinnlos". Die Befragten wurden auch auf ihre Kenntnisse der Hymne getestet. Gleich vorweg: Bei 30 Grad im Schatten (Red.: Bericht aus dem Sommer2011) schafften es nicht alle, sich die erste Strophe (vollständig) ins Gedächtnis zu holen.
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Dass die Töchter in die Hymne aufgenommen werden, findet der Angestellte Toni H. "okay". Seine einzige Bitte an die Politik: "Der Text darf durch die Änderung nicht holprig klingen". Hymnen-Check: Große Startschwierigkeiten. Nach Zuruf von "Land der Berge" ist der Text aber wieder da. Er spult die erste Strophe flüssig und fehlerfrei ab. Ein Kenner.
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"Endlich kommen auch die Frauen vor": Die Schülerinnen Sarah (14) und Katharina (15) sind sich in der Hymnen-Frage einig. Beide machen allerdings klar, dass sie die (Sommerloch)-Debatte nicht allzu viel beschäftigt. Hymnen-Check: Auf die Zeit nach der Matura verschoben.
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Manfred Rosenberger und Christina Kampl finden den hymnischen Töchter-Schwenk "super und wirklich gut". Allerdings hätte Studentin Kampl auch mit dem alten Text gut leben können. Hymnen-Check: Mit ein wenig Hilfe solide durch die ersten Zeilen. Ab "Volk, begnadet" geht's dann aber nur noch in Wortfetzen weiter.
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Diese Dame braucht die Töchter in der Hymne nicht. Die Änderung sei "unnötig". Hymnen-Check: Kein Wunder, dass sie den Text nicht geändert sehen will, sie beherrscht ihn nämlich vom ersten bis zum letzten Vers. Die erste Strophe kommt wie aus der Pistole geschossen. Flüssig, fehlerfrei - die Testsiegerin.
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"Die Hymne ist mir eigentlich egal. Es ist nicht so, dass mein Herz plötzlich laut pocht, wenn ich sie bei einem Länderspiel höre", sagt Romana B. Die Studentin hält es für wichtiger, mit den Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen aufzuräumen. Hymnen-Check: Mäßig.
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"Ein Blödsinn. Das ist doch nicht notwendig. Man darf doch diesen alten Text nicht wörtlich nehmen." Bankangestellte Verena braucht die Töchter nicht in der Hymne. Hymnen-Check: Der Text ist ihr zum Großteil entfallen. Dafür kann sie die Hymne bis zum Ende summen und trifft dabei jeden Ton.
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Dieser Mann nennt sich "Ernest Wutbürger" und findet die Entscheidung für die Hymnen-Töchter "sinnlos". Er hält die Debatte nämlich für eine Themenverfehlung. Stattdessen sollte in der Erziehung angesetzt werden, um Vorurteile abzubauen, findet "Ernest Wutbürger"Hymnen-Check: Verweigert. Mit einem Schmunzeln. Ohne Angabe von Gründen.
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"Es soll auch in der Hymne ein Zeichen gesetzt werden. Worte machen viel aus." Barbara Weisböck, pädagogische Angestellte will die Töchter im Hymnen-Text lesen. Hymnen-Check: "Ich konnte vor kurzem alle drei Strophen auswendig", ärgert sich Weisböck. Von DiePresse.com überrumpelt gibt's nämlich bei der ersten Strophe da und dort kleine Schwierigkeiten. Unterm Strich aber ordentlich.
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"Es gibt viele Frauen, die auch viel geleistet haben. Die Änderung ist daher wirklich gut und es ist ja auch nichts dabei", sagt Pensionistin Anna N. Hymnen-Check: Topleistung. Hat zwar da und dort minimale Startschwierigkeiten, baut dann aber als einzige auch die "großen Töchter" ein, wenige Stunden nachdem sich die Politik darauf informell geeinigt hat. Diese Frau geht mit der Zeit.
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Man kann es ihnen nicht verübeln: Diese beiden niederländischen Studentinnen haben sich während ihres Österreich-Urlaubs noch nicht mit dem rot-weiß-roten Hymnen-Töchter-Diskurs beschäftigt. Sie finden es jedenfalls "nicht notwendig" und ein "wenig feministisch" den Text auf Söhne und Töchter zu ändern. In der niederländischen Hymne würde übrigens nur über Männer und Spanien gesungen. Der Hymnen-Check entfällt.
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Und was sagen unsere deutschen Nachbarn dazu, dass die ''Ösis'' an ihrem Hymnen-Text basteln? "Es passt, das geht in Ordnung", kommentiert diese junge Dame. Bei der Hymne zumindest. Grundsätzlich findet es die deutsche Produktionsmanagerin nämlich "extrem und pedantisch, dass an alles die weibliche Form angehängt werden muss." Der Hymnen-Check entfällt.
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