Medizin: Hoffnung hilft Schmerzen lindern

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Eine Studie über die Wirkung von Placebos bei Asthmatikern fand zwar nichts körperlich Messbares. Aber vom subjektiven Empfinden her fühlten sich die Patienten mit Placebos so gut wie die mit dem Medikament.

Im Zweiten Weltkrieg fiel dem Anästhesisten Henry Knowles Beecher auf, dass verwundete Soldaten auf Schlachtfeldern viel seltener nach betäubenden Mitteln riefen als Zivilisten mit vergleichbaren Schmerzen in Krankenhäusern (25 zu 80 Prozent). Er führte es darauf zurück, dass die Soldaten sich als Überlebende und geborgen fühlten und eine gute Behandlung kommen sahen; die Zivilisten hingegen waren eher von sozialen und finanziellen Sorgen um ihre Zukunft geplagt. Dieser Einfluss der Einstellung auf das körperliche Befinden weckte Beechers Interesse für die Heilkraft von Placebos – Pillen, Spritzen oder Kuren ohne Wirkstoffe –, 1955 publizierte er den einflussreichen Befund, dass 35 Prozent aller Patienten positiv darauf reagieren.
Das blieb nicht unumstritten, 2001 fand eine ebenso einflussreiche Gegenstudie keinerlei Effekt, auch sie ist umstritten, es gibt viele Beispiele dafür, dass die (Heils-)Erwartung Schmerzen lindern kann. Das geht teils auf pharmakologischen Wegen – der Körper kann selbst Schmerzmittel produzieren, endogene Opoide –, das geht teils auf psychologischen Wegen: So können Akupunkturnadeln selbst dann wirken, wenn sie nur zum Schein in die Haut gestochen werden (und in Wahrheit in ihre Hülle zurückfahren wie ein Theaterdolch). Vor allem der „therapeutische Kontext“ spielt dabei mit, das Vertrauen des Patienten in das medizinische Personal, er zeigt sich noch klarer in besonderen Tests, in denen (echte) Infusionen entweder von einem Arzt gesteuert verabreicht werden oder von einem Computer. In letzterem Fall wirken sie schlechter.

Einfluss nur auf das Gefühl

Aber ist bei all dem der Einfluss auf den messbaren körperlichen Zustand der gleiche wie der auf das vom Patienten gefühlte Empfinden? Eine Gruppe um den Placebo-Spezialisten Ted Kaptchuk (Harvard Medical School) hat es an Asthma-Patienten erkundet: 39 von ihnen wurden abwechselnd entweder herkömmlich therapiert – sie erhielten via Inhalator das Medikament Albuterol – oder einem von zwei Placebos ausgesetzt, einem Inhalator ohne Albuterol oder Akupunktur. (Eine vierte Gruppe erhielt keine Therapie.) Dabei wirkte physiologisch einzig die echte Medizin, sie brachte der bedrängten Lunge rasch mehr Luft. Placebos und Nichtbehandlung bewirkten nichts. Aber vom subjektiven Empfinden her berichteten Patienten mit Placebos die gleiche Erleichterung wie die mit dem Medikament (NEJM, 13. 7.).
„Zuerst war ich überrascht, dass es bei der objektiven Luft-Fluss-Messung keinen Placebo-Effekt gab“, erklärt Kaptchuk, „aber als ich die Selbstbeschreibungen der Patienten sah, war klar, dass Placebos in Bezug auf das Sich-besser-Fühlen so wirksam wie das aktive Medikament waren.“

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