Nudelsieb auf Führerschein: "Nicht nur Spaß"

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(c) EPA/GEORG HOCHMUTH

Ein Führerschein mit Nudelsieb am Foto sorgt für Aufregung. Der Besitzer kämpft mit der Aktion gegen Privilegien von Religionsgemeinschaften.

Dem Wiener Niko Alm wurde ein Führerschein mit Nudelsieb auf dem Foto genehmigt. Nach Angaben des Unternehmers sei dies geschehen, weil das Sieb eine "religiöse Kopfbedeckung" sei.

Die Behörden haben dieser Darstellung allerdings mittlerweile widersprochen. Es habe das "einzige Kriterium, dass das ganze Gesicht erkennbar sein muss" gegolten, sagte ein Vertreter dem ORF. Auch ist der  "Pastafarianismus", auf den sich Alm beruft, in Österreich keine staatlich anerkannte Religion.

 

Alm: "Das Ganze ist nicht nur Spaß"

Alm bleibt jedoch bei seiner Darstellung und erläutert  den für ihn ernsthaften Hintergrund seiner Aktion: "Das Ganze ist nicht nur Spaß", sagte er am Donnerstag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Tatsächlich sieht er in den angeblichen Ausnahmen für Angehörige von Religionsgemeinschaften ein "kleines Privileg" für Kirchen in Österreich.

"Wir sind jetzt im 21. Jahrhundert und man könnte sich erwarten, dass die Republik Österreich nicht weitere Buckeleien vor der Kirche verrichtet. Wir wollen Laizität in diesem Land und wir sind der Meinung, dass Religion Privatsache ist", sagt Alm.


Fahrtüchtigkeit bestätigt

Alm, der auch Sprecher des Volksbegehrens gegen "Kirchenprivilegien" ist, war 2008 ein Folder des Verkehrsministeriums in die Hände gefallen, der Kopfbedeckungen auf Führerscheinfotos untersagte - außer für Angehörige von Religionsgemeinschaften. Also gab er sich als Anhänger der satirischen Religion des "Pastafarianismus" aus, ließ sich mit einem Nudelsieb auf dem Kopf ablichten und stellte einen Antrag auf einen Scheckkartenführerschein.

Die Behörden untersagten zuerst das Foto und schickten Alm stattdessen zum Amtsarzt, der ihm aber Fahrtüchtigkeit bestätigte. Es folgte eine Vorladung zur Verkehrsbehörde, der Alm allerdings nicht nachkam. Genehmigt wurde der Führerschein - samt Nudelsieb auf dem Haupt - dann zwar schon im April 2009, Alm sei allerdings nie verständigt worden, sagte er. "Man war offenbar der Meinung, ich hätte eine Holschuld."

Nachdem er von einem "Freund eines Bekannten eines Bekannten" erfahren hätte, dass das Dokument bereits seit langem ausgestellt sei, hielt Alm schließlich am Dienstag den neuen Scheckkarten-Schein samt ungewöhnlicher Kopfbedeckung in der Hand.

Internationale Medienanfragen

Mit dem internationalen Interesse an dem Führerschein hätte Alm allerdings nicht gerechnet. Internationale Medien belagern seitdem den Wiener, die Interviewanfragen aus aller Welt kann er laut eigener Aussage kaum mehr bewältigen: BBC, CNN, das deutsche Nachrichtenmagazin "Spiegel", "Bild", "FAZ" und "Süddeutsche Zeitung" sind wenige von vielen Medien, die mit Alm sprechen wollen.

"Medienliebling" Alm - selbst bekennender Atheist und ständig im Einsatz für die Trennung von Kirche und Staat - verwies allerdings auch auf den für ihn wichtigen Hintergrund der Aktion. Dass nämlich nach wie vor staatliche Ausnahmegenehmigungen für Religionsgemeinschaften gelten würden.

Bekämpfen will Alm derartige "Privilegien" unter anderem mit dem Kirchenvolksbegehren, für das derzeit Unterstützungserklärungen gesammelt werden. Die notwendigen rund 8000 Unterschriften werde man sicher erreichen, meint Alm. "Wir sind gut unterwegs."

Kämpfen für "Pastafarianismus"

Aber auch an der weiteren Anerkennung des "Pastafarianismus" - dessen Anhänger huldigen dem "Fliegenden Spaghetti-Monster" - arbeite man. So will Alm die Spaß-Religion als eingetragene Bekenntnisgemeinschaft anmelden, danach als gesetzlich anerkannte Kirche - samt eigenen Kindergärten, Fakultäten auf Unis, Friedhöfen und rechtlichen Vorteilen: "Wenn jemand ein böses Wort über uns sagt, kann er strafrechtlich belangt werden."