Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Rad am Ring: Die Provokation

Die Idee, Biker vom Radweg auf mehrspurige Durchzugsstraßen zu bringen, bleibt hoffentlich nur eine solche.

Kommentar

Beobachter nehmen derzeit amüsiert zur Kenntnis, wie die Grünen zwischen den Punzierungen Verbots- (Zigarettenautomaten) und Freigabepartei (Cannabislegalisierung) pendeln. Anders als bei Drogen scheint man sich beim Thema Radverkehr noch nicht so sicher zu sein, wofür die Fraktion eigentlich steht.

Nach den Forderungen für verstärktes Vorgehen gegen „Rad-Rowdys“ will man Biker künftig vom Korsett der Radwege befreien. Das ist einerseits gut, weil der Radverkehr so zu dem wird, was er sein sollte: gleichberechtigter Partner für alle anderen.

Andererseits: Dass Wiens Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou ausgerechnet die mehrspurige Ringstraße als Beispiel nennt, bleibt hoffentlich nur eine Idee. Sie argumentiert, dass das Aufeinandertreffen von geübten Stadtradlern mit Anfängern und meistens genauso wenig sportlichen wie aufmerksamen E-Bikern auf dem Radweg zu Gefahrensituationen führe. Und es deshalb jedem freistehen sollte, ob er sich in die Verkehrshölle Ringstraße stürzt oder doch lieber Schlangenlinien zwischen den Touristengruppen auf dem Radweg fährt. Mit der logischen Konsequenz, dass sich die zahlreichen Ungeübten künftig mit Autos und Reisebussen um die besten Plätze streiten werden.

Das ist nicht nur überzogen und eine bewusste Provokation gegenüber Autofahrern, sondern gemeingefährlich. Kein Verkehrspolitiker käme jemals auf die Idee, Autobahnen für Mofas freizugeben. Oder?

 

andreas.wetz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2011)