Dieser Samstag wird von Bildern der Feierlichkeiten für Otto Habsburg geprägt sein. So oder so.
Schreibenden fällt es leicht, über alles Mögliche zu schreiben. Nur über eines nicht: Die Wirkmacht der Bilder, und dass sie jene von Worten manchmal womöglich sogar zu übersteigen droht. Allein diese Formulierung macht deutlich: Es fällt verdammt schwer, sich das einzugestehen. Aber es ist so. Heute steht uns wieder so ein Tag mächtiger Bilder bevor. Der volle Dom. Trauernde. Frauen (Katholikinnen!) mit schwarzem Spitzenschleier über dem Haar. Weihrauchgeschwängerte Luft. Die Ornate der Kardinäle, Bischöfe, Äbte, Pfarrer, Kapläne, Diakone. Der Sarg Otto Habsburgs. Kerzen. Fahnen. Uniformen. Das Klopfen an die Tür zur Kaisergruft.
Bildgewaltig waren schon die Tage davor, wie bei der Aufbahrung in Pöcking: Ein Foto zeigt den Moment, als ein Bub, der gerade über die Kommunionbank zum Sarg blicken kann, einen Mann neben ihm hockend und einen Touristen, der das Geschehen fotografiert. Der Sarg selbst erscheint nebensächlich. Assoziationen zu einem 450 Jahre vorher entstandenen Bild werden evoziert, einem Gemälde Pieter Bruegels. Titel: Landschaft mit dem Sturz des Ikarus. Auch hier ist der Tod, in diesem Fall das Sterben, ein kleiner, kaum erkennbarer Teil des (banalen) Alltags. Ikarus stürzt in diesem Werk, für gehetzte Touristen nicht erkennbar, nach seinem jähen Ende eines Höhenflugs, unbemerkt von einem den Acker pflügenden Bauer, kopfüber in das Meer – umgeben von der alles dominierenden Landschaft. Ob nicht der scharfe Romkritiker Bernhard von Cluny unrecht hatte und mit ihm Jahrhunderte später Umberto Eco, der mit einem Zitat des Mönchs seinen Hit Der Name der Rose geschlossen hat? „Nomina nuda tenemus. Uns bleiben nur nackte Namen.“ Am Ende sind es oft Bilder, die bleiben.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2011)