Fans: "Ich will das gutmachen"

Fans will gutmachen
(c) EPA (HERBERT PFARRHOFER)

Die echten Fans von Otto Habsburg-Lothringen haben bereits um elf Uhr ihren Platz vor dem Dom bezogen.

Der Tag, der die Nation spaltet, beginnt um elf Uhr Mittag vor dem Stephansdom: Schulter an Schulter stellen sich die Zaungäste schon vor den Absperrungen auf dem Stephansdom auf, trotz der Sommerhitze. Auf den Plätzen vor dem Domeingang sitzen die beiden Vorarlbergerinnen Sigrid Roberts, 77 Jahre, und ihre Freundin Heidi, 82 Jahre, auf zwei Campingsesseln. „Es ist mir ein Anliegen, heute hier zu sein“, sagt Roberts, die Otto Habsburg in ihrer Kindheit getroffen hat. Denn: „Der Mann ist so schlecht von Österreich behandelt worden, und so möchte ich dazu beitragen, das wiedergutzumachen.“

Auch die Pensionistin Elisabeth K., die Trauerkleidung trägt, ist bereit, für Habsburg in der Hitze auszuharren: „Er war ein großer Mann.“ Hinter ihnen drängen weitere Menschen nach, mehrere Tausende werden am Nachmittag folgen: Junge, Alte, Monarchisten, Unterstützer – und auch viele Touristen. Der Geschichte-Student Andreas aus Graz erklärt: „Das ist ein historischer Moment, den ich nicht verpassen will.“

Gegendemo: „Habsburg war ein Reaktionär“

Ginge es nach der Bundessprecherin der Sozialistischen LinksPartei, Sonja Grusch, hätte dieser Moment nie stattgefunden. „Otto Habsburg war ein Reaktionär, der sich an Österreich eine goldene Nase verdient hat“, sagt Grusch, und es sind noch die nettesten Worte, die sie für ihn übrighat.

Gemeinsam mit zwanzig Kollegen organisiert sie die Gegendemonstration vor der Oper – und erntet unterschiedliche Reaktionen. „Ihr Psychopathen, was redet ihr für einen Blödsinn?“, schimpft ein alter Mann. Eine Frau spuckt einem der Demonstranten vor lauter Wut sogar ins Gesicht. Dafür bleibt eine deutsche Touristin bewundernd stehen: „Ich finde es gut, was die da machen.“ Auch wenn sie selbst beim Begräbnis war. Es war die Neugier, die sie dort hingetrieben hat.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17. Juli 2011)