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Modulare Oberstufe: Chancen und Gefahren der „Häppchenbildung“

Symbolbild
(c) Clemens Fabry
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Die Lehrergewerkschaft der AHS warnt vor einem „Super-GAU“ und „Häppchenbildung“. Doch Dutzende Vorreiterschulen in Österreich, unter anderem die Sir-Karl-Popper-Schule, verzeichnen mit ihren Konzepten Erfolge.

Wien. Die Kritik fiel hart aus: Bei dem von der Regierung vorgelegten Gesetzesentwurf zur modularen Oberstufe könne es sich doch bestenfalls um den „Entwurf eines Entwurfs“ handeln, kritisieren die AHS-Lehrervertreter in ihrer offiziellen Stellungnahme. Ganz generell sei man gegen das Modulsystem – in dem der Stoff zu „Häppchenbildung“ verkomme. Die Kritikpunkte der Gewerkschaft: Die eigenständige Unterteilung des Lehrstoffs in Kompetenzbereiche überfordere viele Standorte – man befürchte den „organisatorischen Super-GAU“.
Auch schwächere Schüler würden unter dem System leiden: Es führe in „Sackgassen ohne jeden Ausweg“. Dass sich die Reform – die vor allem mit der Debatte um das Ende des Sitzenbleibens medial und regierungsintern für Aufregung sorgte – kostenneutral umsetzen lasse, glaube man ebenfalls nicht, heißt es in der Stellungnahme. Allein, nicht alle AHS stehen einem Modulsystem so skeptisch gegenüber, sondern sind mit ihren eigenen Modellen teils sehr erfolgreich: Wie etwa die Sir-Karl-Popper-Schule, an der Schüler nun schon seit einigen Jahren von einem großteils frei wählbaren Fächerkanon profitieren.

Breite Auswahl an Modulen

Abgesehen von den wenigen verpflichtenden „Kernmodulen“ (u. a. Deutsch, Mathematik und Turnen) steht es den Schülern frei, ihre restlichen Wochenstunden sowohl mit regulären Fächern (wie etwa Geschichte oder Physik) als auch mit vertiefenden „Wahlmodulen“ aufzufüllen. Das Angebot reicht von „Rhetorik“ über „Film Studies“ bis hin zu „Erneuerbaren Energien“. Dabei muss darauf geachtet werden, dass ein bestimmtes Kontingent an natur- und geisteswissenschaftlichen Stunden erfüllt wird. Das ermögliche Begabtenförderung auf einem „ganz anderen Niveau“, sagen auch Schüler. Die von der Regierung angedachte Reform reduziert die Förderung leistungsstarker Schüler stattdessen auf die Möglichkeit, Module zu überspringen und Prüfungen vorzuziehen. Schwachen Schülern wird abgesehen von sogenannten „Lerncoaches“ kaum weitere Unterstützung zukommen.
Doch auch das Modell der Popper-Schule geht mit Schwierigkeiten einher: Die Schüler müssen in Sachen Selbstorganisation und Zeitmanagement sehr kompetent sein. Ansonsten besteht für die Schüler die Gefahr, sich mehrere Module ins nächste Jahr mitnehmen zu müssen. Außerdem nehmen sowohl Lehrer als auch Schüler komplizierte Stundenpläne in Kauf. Ein Tag mit zwei Schulstunden und sieben Freistunden dazwischen sei da nichts Ungewöhnliches, sagen Schüler. Um Abhilfe zu schaffen, tritt ab September eine neue Regelung in Kraft: Den Wahlmodulen werden fixe Stunden zugewiesen, und der Stundenplan wird vor der Modulwahl der Schüler festgelegt, statt umgekehrt. Der dadurch optimierte Stundenplan dient wiederum „einer gezielteren Konzentration auf die Schüler“.

Engagement und Begabung

Dennoch wird der Unterrichtserfolg an der Sir-Karl-Popper-Schule auch in Zukunft vor allem mit der Bereitwilligkeit der Lehrer verbunden sein, große Mehrbelastungen in Kauf zu nehmen. Auch, dass vor allem hochbegabte Schüler in die Popper-Schule gehen, trägt zum Erfolg bei: Um nicht plötzlich vor einem Berg von negativen Modulen dazustehen, müssen die Schüler mit dem Großteil des Stoffes gut zurechtkommen, damit sie auch während des Schuljahres negative Module nachholen können.