Sommer ist Wiederholung Sommer ist Wiederholung

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Symbolbild(c) AP (Susan Montoya Bryan)
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Warum es in Mörbisch immer regnet und der Freundeskreis nie gemeinsam verreisen kann.

Wenn man eine erste kleine Bilanz der großen Ferien ziehen möchte, fällt eines auf: ziemlich viele Déjà-Vus. Es scheint, als habe man alles schon einmal erlebt. Mindestens. So nimmt man sich wie jeden Sommer fest vor, eines der feinen Freiluftkinos zu besuchen, scheitert aber wie immer daran, dass es abends entweder so heiß ist, dass der Körper nur träges Herumhängen in Herrmann-Strandbar-Liegen zulässt oder das Wetter zu schlecht für Outdoor-Filmschauen ist. Apropos. In Mörbisch war soeben wie jedes Jahr die Premiere ordentlich verregnet (was diesmal zur Absage führte). Und wie jeden Sommer waren trotzdem die immer gleichen Prominenten (Festetics, Sarata) dort, die sich wie immer in transparenten Pelerinen ihre Frisuren flachregnen ließen.

Keine Frage, der Sommer ist die Zeit der Wiederholungen. Auch der Freundeskreis hat sein fixes Sommerritual: Man sitzt bei einem Bier zusammen und sinniert, wie schön es nicht wäre, gemeinsam zu verreisen. Und tut es dann wieder nicht. Weil gar nicht so einfach, so ein gemeinsamer Urlaub: Freundin M. will keinesfalls im August fahren („zu heiß“), was aber der bevorzugte Monat von Freundin C. („schön warm“) wäre. Freundin R. würde gerne klettern gehen, Freund B. besteigt „sicher keine Berge“, Freundin C. will zelten, was Freund E. „grauslich und unhygienisch, wir sind ja nicht mehr 15“ findet. Als Aktivitäten schweben Freund B. Flaschendrehen und Tequilatrinken vor, wie in alten Zeiten, was Freundin C. als „spätpubertär“ abtut und stattdessen Ausgrabungen-Anschauen vorschlägt. So sitzen wir da und ahnen: Der gemeinsame Urlaub wird eh nie was, und wenn doch, dann ein ziemliches Desaster. Dafür aber ausnahmsweise kein Déjà-Vu-Sommer. Eher ein Plus-Jamais-Vu. Oder so ähnlich.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2011)

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