Haut: Tätowierung plus Sonne kann gefährlich sein

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Großflächige Tattoos brauchen Schutz vor UV-Bestrahlung, da diese die Farbmoleküle aufspalten und toxische, manchmal sogar krebserregende Substanzen freisetzen kann. Das Problem sind die verwendeten Farbstoffe.

Wer größere Tätowierungen an sonnenexponierten Körperteilen wie Rücken, Armen oder Beinen hat, sollte sich gründlich mit Sonnencreme schützen. Jüngste Untersuchungen haben gezeigt, dass die UV-Bestrahlung die Farbmoleküle in der Haut spaltet. Dadurch werden nicht nur die Farben der Ornamente gebleicht, es entstehen auch toxische, bei manchen Farben sogar krebserregende Substanzen“, warnt der Wiener Dermatologe und Laserspezialist Dr. Andreas Schindl. Er bezieht sich auf jüngste Untersuchungen, unter anderem an der Dermatologischen Universitätsklinik in Regensburg sowie am Medical Center in San Francisco. Durch die UV-Bestrahlung oder natürliches Sonnenlicht, so die Ergebnisse, werden photochemische Reaktionen eingeleitet, die Pigmente, vor allem Red 22 und Gelb 74, in toxische Spaltprodukte auflösen.
Bereits 1995 hat eine Arbeitsgruppe der Internationalen Agentur für Krebsforschung darauf hingewiesen, dass Karbonschwarz, ursprünglich für Druckerfarbe produziert, möglicherweise karzinogen ist. „Jedenfalls stellen diese Tattoofarben ein ,implantiertes' Gesundheitsrisiko dar: von Allergien und Infektionen bis hin zu verschiedenen Formen von Hautkrebs“, sagt der Dermatologe.

 

Farbstoffe im Lymphsystem

Die Farbstoffe bleiben aber nicht in der Haut, sie wurden auch in den Lymphdrüsen nachgewiesen und kommen über das Lymphsystem in den ganzen Körper. So wurde von Dermatologen und Pathologen der School of Medicine, Torrance, USA, auf der tätowierten Brust einer jungen Frau ein Melanom diagnostiziert, das mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Kanzerogenität der Farbstoffe zurückzuführen war.
Für Tätowierungen werden vor allem Azofarben verwendet. Das sind Teerfarben, die ursprünglich für Buntdrucke, das Färben von Baumwollstoffen und Gebrauchsgegenständen produziert wurden. Ihnen werden verschiedene andere Bestandteile beigemischt, die nicht angegeben sind.
Es gibt keine legale Inhaltsliste. Viele dieser Farbstoffe sind in Europa für die kosmetische Anwendung nicht zugelassen. Sie haben dieselbe Basis wie Autolacke und enthalten teilweise krebserregende Amine. Diese Autolackfarben finden als besonders gut deckende Farben häufig Anwendung.
Neben den klassischen Tätowierungsfarben werden auch Metallsalze von Quecksilber (rot), Cadmium (gelb), Chrom (grün) und Cobalt (blau) verwendet. Viele der Bestandteile werden aus dem asiatischen Raum importiert. „Es sollte unbedingt eine Liste von legalen Inhaltsstoffen und eine Bewertung der Risken erstellt werden“, fordert Dr. Schindl. Mit dieser Forderung ist der Dermatologe nicht allein.

 

Projekt zur „Tattoo-Sicherheit“

Daran wird bereits auf internationaler Ebene gearbeitet. Um einheitliche Qualitätskriterien auf wissenschaftlicher Basis festzulegen, wurde 2006 das Projekt Cornet (Collective Research Networking) gestartet, an dem auch Österreich mit dem Institut für Chemie und Technik und dem Grazer Hygienikum beteiligt ist. Erste Ergebnisse über Farbverträglichkeit und Hygiene liegen bereits vor und wurden in einer Verordnung des Wirtschaftsministeriums veröffentlicht. Die Frage ist nur, ob diese auch  umgesetzt wird.
In den USA sind 24 Prozent, in England zwölf und in Deutschland neun Prozent der Bevölkerung tätowiert. Qualitätssicherung ist daher das oberste Gebot. Tätowierer gehören der Innung für Masseure, Kosmetiker und Fußpfleger an. Nach einer Befähigungsprüfung erhalten sie einen Gewerbeschein. Immerhin bestehen bei der subkutanen Injektion der Farbe gesundheitliche Risiken wie Allergien und Infektionen.
Bei der Auswahl eines Studios ist es daher besonders wichtig, genau auf den Nachweis der beruflichen Ausbildung und der Hygienevorschriften zu achten, bevor man sich diesen „Schönheitswunsch“ erfüllt. Diese Botschaft sollten Eltern auch ihren tätowierfreudigen Kindern mitgeben.
Der Farbstoff wird mit einer feinen Nadel etwa ein bis drei Millimeter tief in die Haut gespritzt. Pro Quadratzentimeter Haut werden durchschnittlich 0,60 bis 9,42 mg Farbstoff eingebracht – eine durchaus beträchtliche Menge.

 

Entfernung fast ohne Narben

Es ist nicht einfach, die Farben wieder aus der Haut zu bringen. In jüngster Zeit haben sich die Techniken allerdings wesentlich verbessert. Jetzt ist es möglich, Tattoos fast narbenfrei zu entfernen. Mit einer dieser neuen Methoden arbeitet Dr. Schindl im Rahmen einer Studie in seiner Ordination. Er benützt dazu einen Softlaser, den sogenannten gütegeschalteten Rubinlaser, mit einer Wellenlänge von 694 Nanometern.
Ein kurzer Laserimpuls spaltet die Farbmoleküle in kleine Partikel. Das geht allerdings viel rascher als bei der UV-Bestrahlung, die Moleküle werden zudem in viel kleinere Teile aufgelöst und können so gefahrlos über die Lymphwege abtransportiert werden. Vier bis sechs, manchmal auch zehn Sitzungen sind erforderlich, je nach Farbe und Tiefe der Tätowierung. Für die Entfernung eines handflächengroßen Tattoos ist etwa eine halbe Stunde Behandlung mit dem Laser nötig. Wie die seit einem Jahr laufende Studie zeigt, ist diese Methode sehr schonend und bringt gute kosmetische Ergebnisse.

Auf einen Blick

Unter UV-Bestrahlung werden die Tätowierfarben gespalten und setzen toxische, auch kanzerogene Stoffe frei, die über das Lymphsystem in den gesamten Körper dringen können.
„Tätowierer“ gehören der Innung für Masseure, Kosmetiker und Fußpfleger an. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt, eine berufliche Ausbildung und ein Gewerbeschein sind allerdings erforderlich.