Dubai: Todesstrafe für Arzt aus Österreich?

Dubai: Todesstrafe für Arzt aus Österreich?
Dubai: Todesstrafe für Arzt aus Österreich?Rashid-Hospital in Dubai (c) diocert.de
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Ein Mediziner soll einen Patienten nicht reanimiert haben. Der 50-Jährige steht nun unter Mordanklage. Ihm droht die Todesstrafe.

Wien/Dubai/Uw/Som. Was ist Ende Februar 2009 im Rashid Hospital in Dubai wirklich passiert? Ein österreichischer Arzt, der seit längerem als Intensivmediziner in dem Golfstaat tätig ist, steht seit Samstag in dem Emirat wegen Mordes vor Gericht. Der 50-Jährige soll einen Patienten nicht reanimiert haben, obwohl er dazu verpflichtet gewesen wäre. Die Anklage lautet Mord. Ihm droht die Todesstrafe.

A., der von 2006 bis April 2009 die chirurgische Intensivstation am Rashid-Hospital in Dubai leitete, soll einen Patienten durch erhöhte Morphiumabgabe und Sauerstoffreduktion sterben haben lassen. Und er soll die Order ausgegeben haben, den Mann nicht wiederzubeleben. Der Patient wurde im Jänner 2009 nach einem Arbeitsunfall mit einer Querschnittslähmung vom Hals abwärts eingeliefert und litt durch diese Verletzung ständig an Herzstillständen.

In einem Schreiben, das der „Presse“ vorliegt, wehrt sich A. gegen die Vorwürfe. Das Spital habe einen permanenten Schrittmacher für den „hoffnungslosen“ Patienten aus Kostengründen abgelehnt. Zum Zeitpunkt des Todes sei A. seit 36 Stunden nicht mehr in der Klinik gewesen. Auch die Order habe er nicht ausgegeben. Dabei, so A., hätte es im Spital selbst sogar eine „Do not resuscitate“-Regel („Nicht reanimieren“) für hoffnungslose Fälle gegeben. Die allerdings ist in den Emiraten illegal.

Opfer einer Intrige?

Bekannte von A. befürchten, dass er Opfer einer Intrige geworden ist. Ein befreundeter Arzt (Name der Redaktion bekannt), der ebenfalls in den Emiraten tätig ist, vermutet einen gekränkten Kollegen hinter der Anzeige, der die Zeugen unter Druck setze. Auch sei die Berichterstattung in den Emiraten „tendenziös“. Man verstehe auch überhaupt nicht, warum es zur Anklage gekommen sei. Immerhin habe eine Medizinerkommission A. in einem Gutachten von allen Vorwürfen freigesprochen.
A. befindet sich derzeit auf freiem Fuß. Die nächste Verhandlung ist für 7. August angesetzt.

Wie lange der Prozess dauern könnte, weiß man im Außenministerium in Wien nicht. Man stehe aber schon „seit Wochen“ in engem Kontakt mit dem Angeklagten und seiner Anwältin. „Der österreichische Botschafter in den Vereinigten Emiraten kümmert sich persönlich um den Fall“, sagte Nikolaus Lutterotti, Sprecher des Außenamtes. Auf Delikte wie Mord oder Ehebruch steht in den sieben Vereinigten Arabischen Emiraten die Todesstrafe. In der Praxis wird sie mitunter in lebenslange Haft umgewandelt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19. Juli 2011)

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