Die von der Sopranistin Ildiko Raimondi eingesungenen drei neuen Varianten der Hymne können im Internet abgerufen werden. Die "IG Autoren" kritisiert dieses Vorgehensweise heftig.
Die frühere Frauenministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) setzt ihren Kampf für eine Neufassung der Bundeshymne seit Dienstag im virtuellen Raum fort: Die am vergangenen Freitag auf Rauch-Kallats Initiative hin mit der Sopranistin Ildiko Raimondi eingespielten drei Diskussionsvarianten stehen nun im Internet zum Abruf bereit.
Auf der Videoplattform youtube.com finden sich nun die Textzeilen "Heimat großer Töchter, Söhne", "Heimat großer Töchter und Söhne" sowie "Großer Töchter, großer Söhne" einträchtig nebeneinander - und scheinen phonetisch zumindest für den Profi Raimondi als vollwertiger Ersatz von "Heimat bist Du größer Söhne" zu dienen. Überdies hat die Künstlerin noch die ebenfalls ins Gerede gekommene dritte Strophe mit der Formulierung "Einig lass in Brüderchören" als "Einig lass in Jubelchören" eingesungen.
IG-Autoren-Chef: "Das ist lächerlich"
Unterdessen meldete sich auch die "IG Autorinnen Autoren" zu Wort und reklamierte sich in die Entscheidungsfindung zur Bundeshymnensuche. "Das bisherige Herangehen an das Thema lässt das Schlimmste befürchten. Über persönliche E-Mail-Kontakte wird nach singbaren Varianten gesucht und mit möglichst viel prominenter und professioneller Sängerinnenunterstützung von Klassik bis Pop soll bewiesen werden, dass diese Varianten singbar sind. Das ist lächerlich", echauffierte sich IG-Geschäftsführer Gerhard Ruiss in einer Aussendung: "Jede/r einigermaßen gute Sänger/in und jede/r einigermaßen gute Musiker/in kann so gut wie alles überzeugend interpretieren."
"Bundeshymne neue ausschreiben"
Im Land der Berge werden künftig auch die großen Töchter besungen. Ob das wirklich notwendig ist? Diese Frage spaltet die Österreicher(Innen), wie eine Umfrage von DiePresse.com auf den Straßen Wiens zeigt. Die Reaktionen reichten von "super" über "wurscht" bis "sinnlos". Die Befragten wurden auch auf ihre Kenntnisse der Hymne getestet. Gleich vorweg: Bei 30 Grad im Schatten (Red.: Bericht aus dem Sommer2011) schafften es nicht alle, sich die erste Strophe (vollständig) ins Gedächtnis zu holen. (c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)
Dass die Töchter in die Hymne aufgenommen werden, findet der Angestellte Toni H. "okay". Seine einzige Bitte an die Politik: "Der Text darf durch die Änderung nicht holprig klingen". Hymnen-Check: Große Startschwierigkeiten. Nach Zuruf von "Land der Berge" ist der Text aber wieder da. Er spult die erste Strophe flüssig und fehlerfrei ab. Ein Kenner. (c) Jürgen Streihammer
"Endlich kommen auch die Frauen vor": Die Schülerinnen Sarah (14) und Katharina (15) sind sich in der Hymnen-Frage einig. Beide machen allerdings klar, dass sie die (Sommerloch)-Debatte nicht allzu viel beschäftigt. Hymnen-Check: Auf die Zeit nach der Matura verschoben. (c) Jürgen Streihammer
Manfred Rosenberger und Christina Kampl finden den hymnischen Töchter-Schwenk "super und wirklich gut". Allerdings hätte Studentin Kampl auch mit dem alten Text gut leben können. Hymnen-Check: Mit ein wenig Hilfe solide durch die ersten Zeilen. Ab "Volk, begnadet" geht's dann aber nur noch in Wortfetzen weiter. (c) Jürgen Streihammer
Diese Dame braucht die Töchter in der Hymne nicht. Die Änderung sei "unnötig". Hymnen-Check: Kein Wunder, dass sie den Text nicht geändert sehen will, sie beherrscht ihn nämlich vom ersten bis zum letzten Vers. Die erste Strophe kommt wie aus der Pistole geschossen. Flüssig, fehlerfrei - die Testsiegerin. (c) Jürgen Streihammer
"Die Hymne ist mir eigentlich egal. Es ist nicht so, dass mein Herz plötzlich laut pocht, wenn ich sie bei einem Länderspiel höre", sagt Romana B. Die Studentin hält es für wichtiger, mit den Gehaltsunterschieden zwischen Männern und Frauen aufzuräumen. Hymnen-Check: Mäßig. (c) Jürgen Streihammer
"Ein Blödsinn. Das ist doch nicht notwendig. Man darf doch diesen alten Text nicht wörtlich nehmen." Bankangestellte Verena braucht die Töchter nicht in der Hymne. Hymnen-Check: Der Text ist ihr zum Großteil entfallen. Dafür kann sie die Hymne bis zum Ende summen und trifft dabei jeden Ton. (c) Jürgen Streihammer
Dieser Mann nennt sich "Ernest Wutbürger" und findet die Entscheidung für die Hymnen-Töchter "sinnlos". Er hält die Debatte nämlich für eine Themenverfehlung. Stattdessen sollte in der Erziehung angesetzt werden, um Vorurteile abzubauen, findet "Ernest Wutbürger"Hymnen-Check: Verweigert. Mit einem Schmunzeln. Ohne Angabe von Gründen. (c) Jürgen Streihammer
"Es soll auch in der Hymne ein Zeichen gesetzt werden. Worte machen viel aus." Barbara Weisböck, pädagogische Angestellte will die Töchter im Hymnen-Text lesen. Hymnen-Check: "Ich konnte vor kurzem alle drei Strophen auswendig", ärgert sich Weisböck. Von DiePresse.com überrumpelt gibt's nämlich bei der ersten Strophe da und dort kleine Schwierigkeiten. Unterm Strich aber ordentlich. (c) Jürgen Streihammer
"Es gibt viele Frauen, die auch viel geleistet haben. Die Änderung ist daher wirklich gut und es ist ja auch nichts dabei", sagt Pensionistin Anna N. Hymnen-Check: Topleistung. Hat zwar da und dort minimale Startschwierigkeiten, baut dann aber als einzige auch die "großen Töchter" ein, wenige Stunden nachdem sich die Politik darauf informell geeinigt hat. Diese Frau geht mit der Zeit. (c) Jürgen Streihammer
Man kann es ihnen nicht verübeln: Diese beiden niederländischen Studentinnen haben sich während ihres Österreich-Urlaubs noch nicht mit dem rot-weiß-roten Hymnen-Töchter-Diskurs beschäftigt. Sie finden es jedenfalls "nicht notwendig" und ein "wenig feministisch" den Text auf Söhne und Töchter zu ändern. In der niederländischen Hymne würde übrigens nur über Männer und Spanien gesungen. Der Hymnen-Check entfällt. (c) Jürgen Streihammer
Und was sagen unsere deutschen Nachbarn dazu, dass die ''Ösis'' an ihrem Hymnen-Text basteln? "Es passt, das geht in Ordnung", kommentiert diese junge Dame. Bei der Hymne zumindest. Grundsätzlich findet es die deutsche Produktionsmanagerin nämlich "extrem und pedantisch, dass an alles die weibliche Form angehängt werden muss." Der Hymnen-Check entfällt. (c) Jürgen Streihammer
Töchter und Söhne im Hymnen-Check
Die einzige Möglichkeit zur Erarbeitung einer Neufassung der Bundeshymne bestehe in der Einbeziehung von Experten. "Es ist nicht die Aufgabe von Politiker/inne/n, bestehende Landeshymnen umzudichten oder zu ergänzen", so Ruiss. Sollte sich herausstellen, dass sich die Bundeshymne in ihrem Wert für die heutige Gesellschaft in Österreich überlebt habe, so sei sie neu auszuschreiben. Diese Ausschreibung müsse sich insbesondere auch an Neo-Österreicher richten, damit ein umfassendes gesamtgesellschaftliches Nachdenken darüber einsetzen könne, was das heutige Österreich ausmache.
Rauch-Kallat lässt drei Varianten Auf der Online-Plattform YouTube online stellen. Bei der „IG Autorinnen Autoren“ sorgt das bereits für Verärgerung. Heimische Autoren fordern bessere Einbindung.
Nach der Umformulierung der Bundeshymne, werden nun die Landeshymnen inspiziert. Ein Überblick zeigt: Während manche keine "heiklen" Textstellen haben, fehlt eine "Wiener Hymne" völlig.
In einer aktuellen OGM-Umfrage lehnen 70 Prozent der Befragten eine Änderung des Textes ab. Es dürfte also eine überwältigende Mehrheit gegen die Pläne der Bundesregierung geben.
"Keinen Bedarf für eine gendermäßige Textänderung" sieht der Thomas Sessler Verlag. Er vertritt die Erben der Bundeshymnen-Autorin und fordert eine "Miteinbeziehung".
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