Kovats ist ein Fall für die Justiz

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Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Industriellen wegen Untreue, betrügerischer Krida und Bilanzfälschung. Am Dienstag gab es erste Hausdurchsuchungen. Die Razzien wurden an acht Standorten ausgeführt.

Wien. Dienstag, zehn Uhr: Die Damen und Herren, die am Konzernsitz der A-Tec in der Wiener Innenstadt vorstellig werden, sind keine Interessenten für die insolvente Industriegruppe. Vielmehr sorgen die drei Staatsanwälte und 61 Kripo-Ermittler mitten in den Bemühungen um den Verkauf der A-Tec für einen Knalleffekt: Sie führen eine Razzia durch.

Der Grund dafür: Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt gegen A-Tec-Boss Mirko Kovats wegen des Verdachts der Untreue, der betrügerischen Krida und der Bilanzfälschung. Das bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Vecsey, der „Presse“. Es geht um den Zeitraum 2005 bis 2010. Vor allem der Tatbestand der betrügerischen Krida birgt Brisanz: Es wird vermutet, dass Kovats Firmengelder in sein Privatvermögen verschoben und so den Gläubigern Geld entzogen hat. Bei einem Schaden von über 50.000 Euro drohen ihm zehn Jahre Haft.

Razzien wurden an acht Standorten in Wien und Niederösterreich durchgeführt: Neben der A-Tec-Zentrale wurde auch die Kovats-Villa in Hinterbrühl, weitere Firmenadressen sowie die Wohnungen der A-Tec-Vorstände Christian Schmidt, Franz Fehringer und Christian Schrötter durchsucht. Schrötter war Finanzvorstand und schied Ende September aus. Für alle gilt die Unschuldsvermutung. Die Beute war reich: „Wir haben 120 Kisten mit Geschäftsunterlagen sichergestellt, die wir nun auswerten“, sagte Vecsey.

 

Ein Geschäftspartner zeigt an

Den Anstoß für die Ermittlungen gab die Anzeige von Kovats' ehemaligem Geschäftspartner Rudolf Krtina, der mit dem Industriellen seit Jahren im Clinch liegt („Die Presse“ berichtete im November 2010). „Ich habe unmittelbar nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine Anzeige gegen Kovats wegen Betrugs, Bilanzfälschung und Untreue eingebracht“, bestätigte Krtina am Mittwoch.

Diese Anzeige spielt allerdings nur eine Nebenrolle. Der Bericht von Sanierungsverwalter Matthias Schmidt vom Dezember habe konkretere Hinweise geliefert. „Wir sind von uns aus tätig geworden“, betont Vecsey. Die Verdachtsmomente hätten sich erhärtet, weshalb Hausdurchsuchungen angeordnet wurden. Ob die Justiz auch Konten von Kovats öffnen lassen wird, wollte Vecsey nicht kommentieren – aber es wäre naheliegend.

Die A-Tec reagierte mit einer trockenen Aussendung: Die Staatsanwaltschaft prüfe aufgrund einer Anzeige mögliche kaufmännische Fehlentscheidungen des Vorstandes auf ihre allfällige strafrechtliche Relevanz. Die Anzeige stamme von einer Privatperson, die seit Jahren „aus persönlichen Gründen prozessuale Auseinandersetzungen“ führe. A-Tec-Sprecher Gerald Wechselauer räumte auf „Presse“-Anfrage ein, dass die Razzien mitten im Verkaufsverfahren „nicht gut für uns sind“. Die Frage, ob Kovats in Wien sei, wollte er nicht beantworten. Vecsey meinte, dass die Käufer „nicht ganz überrascht“ sein sollten, da sie „die Fakten kennen“. Die von Kovats in 13 Jahren zu einem börsenotierten Konzern mit zwei Mrd. Euro Umsatz und 12.000 Mitarbeitern aufgebaute A-Tec stürzte in die Insolvenz, weil die Anlagenbautochter AE&E Projekte in Australien in den Sand gesetzt hatte und die Refinanzierung einer Anleihe gescheitert war. Das sei aber nur der unmittelbare Anlass gewesen, heißt es im brisanten Bericht des Sanierungsverwalters.

Er sieht tiefer liegende Ursachen: Der Konzern sei immer knapp bei Kasse gewesen, sodass es in der Wirtschaftskrise keinen Spielraum gab. Schmidt kritisiert auch die hohe Dividende gleich nach dem Börsegang. Sie basierte auf dem Bilanzgewinn 2006, der aus Aufwertungen resultierte. Und die Vermietung von Privatjets habe nur Verluste gebracht, schreibt Schmidt.

 

Nicht das erste Strafverfahren

Im Sanierungsverfahren wurde eine 47-prozentige Quote fixiert. Dazu muss ein Investor bis Ende September rund 210 Mio. Euro auf den Tisch legen. Wenn das nicht klappt, wird die A-Tec zerschlagen. Offiziell liegen drei Angebote vor. Der wegen seines beinharten Geschäftsstils umstrittene Selfmademillionär Kovats will die Macht nicht aus der Hand geben. Deshalb wird heftig gepokert.

Für Kovats ist das nun anlaufende Strafverfahren nicht das erste. Der einstige Maschinenhändler engagierte sich nach dem Zusammenbruch des Ostblocks auch bei Hotels und Diskotheken. Der Konkurs der Korneuburger Disco „Dorian Gray“ brachte ihm im Jahr 2000 eine rechtskräftige Verurteilung zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Krida. Die Pleite der Disco „A2 Südpol“ in Vösendorf führte 2007 zu einem Prozess wegen betrügerischer Krida. Das Verfahren wurde 2009 eingestellt.