Ein 50-jähriger Arzt aus Oberösterreich soll den Tod eines Patienten verursacht haben. Ein Gutachten von arabischen Medizinern hat ihn entlastet, die Staatsanwaltschaft erhob dennoch Anklage. Ihm droht die Todesstrafe.
Ein oberösterreichischer Arzt muss sich wegen Mordes vor einem Gericht in Dubai verantworten: Eugen A. soll einem Patienten Sterbehilfe geleistet haben. Zwei Gutachten entlasten den Mediziner.
Primarius Walter Hasibeder, Abteilungsleiter der Intensivmedizin im Krankenhaus der barmherzigen Schwestern in Ried in Oberösterreich, erstellte im Auftrag der österreichischen Ärztekammer ein Expertengutachten. Dieses bestätigt die Unschuld des Intensivmediziners und soll ihn bei der nächsten Verhandlung entlasten.
Davor hat bereits eine Medizinerkommission der Vereinigten Arabischen Emirate den Primar von allen Vorwürfen freigesprochen, ein entsprechendes Dokument liegt der APA vor. Die Kommission habe "keine Verfehlung" gefunden und es klar erwiesen sei, dass Eugen A. alle Gesetze und Vorschriften befolgt habe, geht daraus hervor.
Tod eines gelähmten Patienten
Dennoch hat die Staatsanwaltschaft in Dubai Anklage erhoben, nachdem Eugen A. von zwei Kollegen angezeigt wurde. Konkret geht es um einen Patienten, der nach dem Sturz aus einem Stockbett im Jänner 2009 vollständig gelähmt ins Rashid Hospital in Dubai eingeliefert worden ist. Es traten wiederholt Herzstillstände ein, oft "ein bis dreimal am Tag", erklärte A. am Donnerstag im Ö1-Morgenjournal. "Eugen A. wollte dem Patienten daher einen permanenten Herzschrittmacher einsetzen, dies wurde von der Klinik jedoch mit dem Verweis auf die schlechte Prognose abgelehnt, ein Schrittmacher würde sich nicht rentieren", sagte Hasibeder.
Bei der Anklage gehe es um zwei wesentliche Punkte, so Hasibeder: So soll A. dem Krankenhauspersonal aufgetragen haben, dass der Patient nicht reanimiert werden soll. Auch wird ihm vorgeworfen, durch die Erhöhung von Opiaten einen Sauerstoffmangel beim Patienten hervorgerufen zu haben, der im Februar 2009 zum Tod geführt haben soll. "Das ist absurd. Der Patient war von Hals ab querschnittsgelähmt und wurde daher permanent künstlich beatmet. Die Opiate dienten zur Beruhigung", erklärte Hasibeder.
Außerdem war "A. zum Zeitpunkt des Todes nicht im Krankenhaus, er hatte drei Tage frei", so Hasibeder. Und die genaue Todesursache könne man nicht bestimmen, da keine Obduktion stattgefunden hatte. Dem Mediziner sei bereits 2009 der Pass abgenommen worden.
Der 50-Jährige Mediziner war in Österreich im Krankenhaus in St. Johann als Primar tätig. Bis 2004 war er zudem als Notarzt für die ÖAMTC-Flugrettung im Einsatz. Zuletzt war er der Leiter der Intensivmedizin im Rashid Hospital in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diese Woche wurde er suspendiert. Die nächste Verhandlung findet am 7. August statt.
(APA)