Stella Maris: Ägyptische Sängerin für Staatsoper rekrutiert

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Bei „Stella Maris“, einer Kreuzfahrt mit Gesangsbewerb, singen junge Opernsänger auf einer Jacht einer hochkarätigen Jury vor. Darunter befindet sich auch der Intendant der Wiener Staatsoper, Dominique Meyer.

Fünf Soprane, ein Mezzo und ein einsamer Tenor – die Auswahl mochte seltsam anmuten, doch sie kommt auf sozusagen natürliche Weise zustande: Die Opernstudios von Häusern wie der New Yorker Met, Londons Covent Garden Opera, der Mailänder Scala oder der Canadian Opera Company entsenden jeweils ihre allerbesten Talente, die sich im Tagesbetrieb in kleineren oder auch größeren Partien bereits bewährt haben.
Auf hoher See treffen einander die jungen Sänger dann, um vor einer hochkarätigen Jury vorzusingen, vor allem aber, um den Publikumspreis zu gewinnen. Den vergeben die Gäste der noblen Jacht MS Europa. Sebastian Ahrens, Sprecher der Reederei Hapag-Lloyd, hatte als leidenschaftlicher Melomane die Idee zu diesem ganz besonderen Sängerwettstreit.

Viel Zeit für sieben Künstler

Im Rahmen einer Reise übers Meer – diesmal rund um die britischen Inseln – bekommen sieben Künstler bei „Stella Maris“ die Chance, sich einmal in allen Facetten vorzustellen. Wer eine Kreuzfahrt unternimmt, der hat Zeit. Er hört sich in Ruhe Opernarien, Ausschnitte aus Oratorien wie auch Lieder an, um den jeweils vielseitigsten Gestalter eines Jahrgangs zu ermitteln.
Dass das Repertoire bei Stella Maris so weit gespannt ist, liegt am Spiritus Rector des Wettbewerbs, Michael Schade, der sich mit Feuereifer der Jugendausbildung widmet, was Musikfreunde spätestens seit Schades Engagement für das Salzburger Young Singers Project wissen. Bei Stella Maris kommen die jungen Profis an die Reihe. Grund genug, dass sich wichtige Juroren Zeit nehmen, eine ganze Woche mit den Probanden zu verbringen. 2011 waren unter anderem auch die Intendanten der Wiener Staatsoper, Dominique Meyer, und der Hamburgischen Staatsoper, Simone Young, an Bord der MS Europa. Außerdem entsandte die Deutsche Grammophon ihre Produzentin Marita Prohmann.
Den ersten Preis in der Höhe von 15.000 Euro vergibt auf der Jacht zwar das Publikum – wer die meisten Stimmen in allen drei Runden auf sich vereinigen kann, gewinnt, egal, welche Wertung die Fach-Jury abgegeben hat. Die Juroren freilich kommen, um die von den Studios entsandten Sänger besser kennenzulernen und um eigene Preise zu vergeben.
So vereinigte die Ägypterin Gala El Hadidi, eine temperamentvolle Mezzosopranistin mit angenehm dunkel timbriertem Mezzo, gleich zwei der Sonderpreise auf sich: Sie darf ein Test-Recording der DG machen und hat damit bald eine professionell aufgenommene CD im Karrieregepäck. Und sie wird in einer der kommenden Spielzeiten für eine noch zu bestimmende Partie an der Wiener Staatsoper gastieren.
Hamburgs Intendantin entschied sich für die Italienerin Grazia Doronzio, eine zauberhafte lyrische Sopranistin, die sowohl für Puccinis Liu („Turandot“) als auch für Bach'sche Kantatensätze intelligente Stimmführung, ein samtweiches Timbre und expressive Textdeutlichkeit mitbringt. Eine echte Entdeckung mit großen Vorschusslorbeeren: Ihr Stammhaus, New Yorks Metropolitan, hat Doronzio bereits in wichtigen Partien aufs Programm gesetzt.

Publikumspreis: Nadine Sierra

Den Publikumspreis gewann die erst 23-jährige Nadine Sierra, die in Boston bereits in Brittens „Sommernachtstraum“ zu hören war und von der San Francisco Opera für Stella Maris nominiert wurde. Alle miteinander arbeiteten an Bord mit Feuereifer an ihren Programm, unterstützt und animiert von Alexander Soddy, der vom Klavier während der Oratorienrunde ans Dirigentenpult des Santa-Cecilia-Orchesters von Dublin wechselte und sich auch als Maestro empfahl. Er wird demnächst in Österreich zu Hause sein, denn die neue Intendanz verpflichtete den jungen Engländer als Chefdirigenten nach Klagenfurt.

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