Artgerechte Tierhaltung ist teuer – vernichtet aber nicht den Bauernstand.
Sind Tiere landwirtschaftliche Produktionsmittel oder fühlende Lebewesen? Diese Grundsatzfrage steht hinter dem jetzt heftig diskutierten Verbot von Schweinekastenständen. Es geht darum, ob man von einer marktwirtschaftlichen oder einer ethischen Betrachtungsweise ausgeht. Sympathischer ist natürlich der ethische Betrachtungswinkel, doch Achtung: Spricht man den Tieren Rechte zu, heißt das letzten Endes auch, dass sie nicht für die Nahrungsmittelproduktion verwendet werden dürften. Alles andere ist logisch nicht durchargumentierbar. Da sich aber die Österreicher ihr Schnitzel mit Sicherheit nicht wegnehmen lassen, hat sich ein gesellschaftlicher Konsens zum Thema Tierschutz herausgebildet. Und der ist eher pragmatisch gehalten: Tiere ausbeuten ist erlaubt, aber quälen darf man sie nicht dabei. Und wenigstens daran sollte man sich auch halten.
Dass das wochen- oder monatelange Einsperren von Muttersäuen in engen Stahlkäfigen Tierquälerei ist, sieht man mit freiem Auge. Und dass es zum Schutz der Ferkel geschieht, ist purer Unsinn: Artgerechte Haltung bietet den Ferkeln wesentlich mehr Schutz. Eine Umstellung – also vor allem mehr Platz für die Tiere – kostet Geld, vernichtet aber nicht den Bauernstand: Das wurde nämlich schon beim Verbot der Käfighaltung für Hühner behauptet. Doch die Erfahrung zeigt, die Branche hat sich bestens darauf einstellen können.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2011)