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Terror in Norwegen: Tote in Oslo und in Ferienlager

Oslo Terroranschlag Bombe
Die Polizei sperrt das Stadtzentrum von Oslo ab(c) AP (Fartein Rudjord)
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Im Stadtzentrum von Oslo ist eine Bombe explodiert und hat sieben Menschen getötet. Wenig später erschießt ein Mann in Polizeiuniform in einem Sommerlager der Sozialdemokraten bis zu zehn Teilnehmer.

Norwegen ist das Ziel von Terrorangriffen geworden: Ein Bombenanschlag auf das Regierungsviertel im Zentrum von Oslo hat am Freitagnachmittag mindestens sieben Menschen in den Tod gerissen. Es gibt mindestens 15 Verletzte. Wenig später hat ein Mann in Polizeiuniform auf die Teilnehmer eines Sommerlagers geschossen, dort gibt es neun oder zehn Tote, sagt ein Polizeisprecher. Ein Verdächtiger wurde festgenommen. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann für beide Taten verantwortlich ist. Unter den Opfern sind offenbar keine Österreicher, teilte das Außenamt mit.

Die Explosion ereignete sich gegen 15.40 Uhr. Augenzeugen sprachen von einer Autobombe. "Es war schrecklich. Menschen liefen herum und schrien", schilderte ein Augenzeuge gegenüber CNN.  "Das ganze Gebäude wurde erschüttert, wir glaubten, es sei ein Erdbeben", sagte ein NRK-Reporter, der sich neben dem 17 Stockwerke hohen Regierungsgebäude befand.

Mehrere Regierungsgebäude wurden durch die heftige Explosion beschädigt, darunter auch der Sitz von Premier Jens Stoltenberg. Der Regierungschef war zum Zeitpunkt des Anschlags in seinem Büro, ist aber mittlerweile wie die anderen Minister in Sicherheit. Seinen Aufenthaltsort hielt er auf Anraten der Polizei geheim: "Die Lage ist sehr ernst." Im Ölministerium brach Feuer aus. Die Ermittler vermuten, dass dieses Gebäude das Ziel des Angriffs war. Auch die Zentrale der Boulevardzeitung "VG" wurde durch die Explosion teilweise zerstört.

Anschlag auf Sommerlager

Nach der Explosion hat ein als Polizist verkleideter Mann bei einem Jugend-Sommerlager der norwegischen Sozialdemokraten auf der Insel Utöya auf die Teilnehmer geschossen und neun oder zehn Personen getötet, sagt ein Polizeisprecher. An dem Treffen hätte auch Premier Stoltenberg teilnehmen sollen, allerdings erst am Samstag.

Den Medienmeldungen zufolge brach unter den Jugendlichen im Lager Panik aus. Mehrere Mädchen und Burschen seien von der Insel aus ins Wasser gesprungen und an Land geschwommen. Polizisten einer Anti-Terror-Einheit waren auf dem Weg auf die Insel.

Verdächtiger mit lokalem Hintergrund

Ein Verdächtiger wurde festgenommen. Er wurde auch nach der Explosion in Oslo gesichtet. Daher vermutet die Polizei, dass er für beide Taten verantwortlich ist. Es soll sich um einen Mann mit lokalem Hintergrund handeln, der sich gegen das derzeitige politische System wende, meldete die Nachrichtenagentur NTB unter Berufung auf die Polizei.

Der Verdächtige ist Norweger, sagte der Justizminister. Medien beschreiben ihn als großen blonden Mann. Ob er allein gehandelt hat, ist derzeit noch unklar. Er wurde noch am Abend von der Polizei einvernommen.

Die Polizei rief die Bevölkerung auf, das Zentrum von Oslo zu verlassen, und riegelte das Regierungsviertel gemeinsam mit Soldaten ab. Mehrere wichtige Gebäude wurden evakuiert, darunter sämtliche Regierungsgebäude, das Parlament, der Hauptbahnhof, zwei Einkaufszentren, der staatliche Rundfunk NRK und weitere Medienbüros. Zugleich wurden die Bürger aufgerufen, ihre Mobiltelefone nicht zu benutzen, um eine Überlastung der Netze zu vermeiden.

Die norwegische Polizei hat die Grenzkontrollen verstärkt. Reisende von und nach Norwegen sollen strenger kontrolliert werden. Der Flugverkehr am Flughafen Oslo verlaufe normal, jedoch sollten Reisende mehr Zeit für Sicherheitskontrollen einplanen.

Rasmussen: "Grausame und feige Tat"

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat "diese abscheulichen Gewalttaten in Norwegen auf schärfste Art und Weise" verurteilt. "Unsere Solidarität mit Norwegen ist unerschütterlich." Zugleich kondolierte er dem norwegischen Volk und den Familien all jener, "die wegen dieser grausamen und feigen Taten Leid ertragen mussten". Norwegen beteiligt sich mit 400 Soldaten am Nato-Einsatz in Afghanistan und mit vier Flugzeugen am Nato-Einsatz in Libyen.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy verurteilte den Anschlag von Oslo als "feige Tat ohne jedwede Rechtfertigung" und versicherte das Nicht-Mitgliedsland Norwegen der Solidarität der Europäischen Union.  "Norwegen ist bekannt dafür, aktiv den Frieden in der Welt voranzutreiben, und dieser schockierende Angriff ist beispiellos", sagte die EU-Außenbeauftragte Cathrine Ashton. Auch EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso zeigte sich betroffen: "Ein Anschlag dieser Größe ist nicht etwas, das man in Norwegen erwartet."

US-Präsident Barack Obama hat zur stärkerer Zusammenarbeit im Kampf gegen den Terror aufgerufen. Auch Österreich hat in Person von Kanzler Werner Faymann und Außenminister Michael Spindelegger Unterstützung zugesagt.

(Ag./Red.)