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Plakatausstellung: Ein Zeitsprung zurück in die Sechzigerjahre

Symbolbild
(c) APA
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Erstmals wurde der bis dato anonyme Designer der grünen ÖVP-Plakatwelle „geoutet“. Die SPÖ ärgerte sich über die Profi-Werbelinie und mäkelte säuerlich – „Politik kann man doch nicht wie Waschpulver verkaufen“.

Wien/HWS. Bernhard Denscher, dem Leiter der Kulturabteilung im Wiener Rathaus, ist eine bemerkenswerte Recherche gelungen. Er hat zum ersten Mal den Grafiker „dingfest“ gemacht, der in den Sechzigerjahren den Plakaten der ÖVP ein modernes, mehrere Jahre hindurch gültiges Design verpasst hatte: Otto Stefferl. Bis dahin sind viele politische Plakate – selbst im ÖVP-Parteiarchiv – als „anonym“ vermerkt worden.
Otto Stefferl also. Denscher stieß bei den Vorbereitungen für eine Plakatausstellung über die Sechzigerjahre auf den Grafiker. Der hatte darüber jahrelang geschwiegen, weil er politisch nicht „punziert“ werden wollte: Er habe schließlich genauso für Maggi, Knorr oder die OMV gearbeitet.
Und er war ein guter Designer. Die durchwegs in Grün gehaltenen VP-Affichen waren die besten ihrer Art – fast unpassend für die Volkspartei. Sie waren so gut, dass der Chefredakteur Franz Kreuzer in der SPÖ-„Arbeiter-Zeitung“ säuerlich mäkelte: „Es lässt sich nicht übersehen, dass bei der Propaganda der ÖVP Reklamemanager der Privatindustrie ein gewichtiges Wort mitreden. Nur kann man aber Politik nicht einfach wie ein Waschmittel verkaufen . . .“
Der gute alte „Sansi“ Kreuzer! Heute leben ganze PR-Agenturen blendend von der politischen Sujetproduktion. Aber nicht nur davon. Die klassischen Werbeplakate aus dem Sechzigern verführen den Betrachter zu einem Zeitsprung rückwärts: Hat man das nicht alles erst vor Kurzem gesehen? „Licona“, „Matzner für Damen und Herren“, „Johann Strauss Moden“, aber auch „Falk“, „Hobby“, „Golden Smart“, „Dames“? Oder „Elektrohansa“, „Famulus“? Fast unverändert werben noch heute „Bona-Öl“, Mautners „Estragon-Senf“ oder der „Hesperiden-Essig“. Auch das Packerl mit der Teebutter lockt unverändert seit fünfzig Jahren.

Zur Ausstellung:
„60er“ Plakate aus der Sammlung der Wien-Bibliothek
Im Wien Museum (bis Herbst)
www.wienmuseum.at
www.wienbibliothek.at