Verbier-Festival: Klassikweltstars in speziellem Ambiente

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Symbolbild(c) REUTERS (HERWIG PRAMMER)
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Das Ausnahmeereignis in den Schweizer Bergen bietet musikalische Fülle und große Namen in pittoresker Umgebung. Aus 30 Ländern kommen Instrumentalisten zusammen, um das Festspielorchester in Verbier zu bilden.

Kommende Spielzeit feiert man in den Schweizer Bergen das 20-Jahr-Jubiläum eines ganz speziellen Festivals. Unvergleichlich ist der musikalische Veranstaltungsreigen in Verbier vor allem deshalb, weil sich in der zweiten Julihälfte hier Weltstars und eine Hundertschaft von jungen Musikern versammeln, um miteinander Musik zu machen. Untertags quellen die Serpentinen auf dem Steilhang über von Musikanten, die zwischen den verschiedenen Chalets hin- und herpendeln, um an den Meisterkursen teilzunehmen. Im großen Festspielzelt wird derweilen an Großprojekten gearbeitet.
Aus 30 Ländern kommen Instrumentalisten zusammen, um das Festspielorchester zu bilden, Teens und Twens, ungemein engagiert und spürbar hungrig, die große Literatur in der Praxis kennenzulernen und selbst einmal „durchzukneten“. Das schafft eine spezielle Atmosphäre, in der sich dann begehrte Künstler wie Martha Argerich, Mischa Maisky, Angelika Kirchschlager oder Michael Schade wohlfühlen. Ob Kammermusik-Workshops oder romantisches Oratorium, Klavier-Recital oder Liederabend, Verbier bietet seinem Publikum und seinen Mitwirkenden eine bemerkenswerte Fülle von Ereignissen in pittoreskem Ambiente.
Manfred Honeck war heuer einer der Dirigenten, der mit dem jungen Orchester und der Collegiate Chorale arbeitete. Das Ergebnis: eine stimmungsvolle, zuweilen sogar andächtige, oft aber – dem Thema entsprechend – aufwühlende Wiedergabe von Mendelssohns „Elias“. Juliane Banse führte bei ihrem Erstauftritt nach der Babypause mit ihrem Samtsopran das erlesene Solistenquartett an, dem Angelika Kirchschlager geheimnisvoll-dramatische und Michael Schade innig-verhaltene, meisterlich in allen Pianissimofarben schillernde Momente verliehen.

Quasthoff-Absage? Kein Problem!

Thomas Quasthoff wollte mit diesem Elias sein Comeback nach längerer Krankheit feiern, musste aber im letzten Moment absagen. Niemand Geringerer als Bryn Terfel war zur Stelle, der am Vorabend einen umjubelten Liederabend gegeben hatte. Zwar zehrte die Doppelverpflichtung spürbar an seinen Kräften, doch gelangen dem Bass-Bariton packende Charakterporträts en miniature; bei perfekter Diktion – und das, obwohl Terfel diese Partie bis dato nur in englischer Sprache gesungen hatte und die deutsche Version sozusagen vom Blatt artikulierte. Vielleicht darf man das den „Geist von Verbier“ nennen. Jedenfalls bejubelte das Publikum anhaltend nicht nur die Sängerelite, sondern den jungen Chor und das mit Feuereifer musizierende Orchester.
Manfred Honeck waltete über dem biblischen Geschehen mit Umsicht, obwohl er jedem Detail das nötige dramatische Gewicht zu verleihen suchte. Seine Gebärdensprache ist mittlerweile bei eminentem Variantenreichtum von großer Klarheit. Jeder Wink wirkt, so scheint es, für die Musiker magnetisch. So kommt Mendelssohns romantisch behauchter Neobarockstil zu lebendigster Wirkung.
In Verbier feiert man noch bis 31. Juli. Unter anderem sind noch Konzerte mit Jewgeni Kissin, Kiri Te Kanawa, Gidon Kremer, Gautier Capucon, Arabella Steinbacher oder dem Quatuor Ebène geplant.


Info: www.verbierfestival.com

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