Gemeinsam Mut fassen in den traurigsten Zeiten

Die tragende Kraft einer nahen, gefühlsstarken und tiefen Beziehung zeigt sich gerade während der schwersten Krisen.

Andreas und Philippus gingen und
sagten es Jesus.

Joh 12,22


Zu ihren Lebzeiten konnte Jane Austen wohl kaum erahnen, dass ihr 1813 erschienener Roman „Pride and Prejudice“ heute – nach Harry Potter – Großbritanniens populärstes Buch sein würde. Es erzählt von den Bennets, einer Familie des niedrigen Landadels. Die Handlung nimmt ihren Ausgangspunkt bei der Notwendigkeit, deren fünf Töchter an wohlhabende Männer zu verheiraten.

Die sich anbahnenden Heiraten der beiden ältesten Schwestern Jane und Elizabeth bilden den Stoff für dramatische Spannung, während die Liebe der beiden Schwestern zueinander ein sensibles inneres Zentrum der Erzählung bildet. Elizabeth, die überaus kluge und charakterstarke Hauptheldin, erlebt innere Gefühlsstürme, da sie zu ahnen beginnt, dass ihre tiefe Verachtung gegenüber Mr. Darcy auf ihrem falschen Vorurteil beruhen könnte, als sie Janes Brief erreicht, der eine fürchterliche Neuigkeit aus dem Hause Bennet beinhaltet. Der durchtriebene Offizier George Wickham ist mit der jüngsten Tochter Lydia durchgebrannt und gefährdet so Ansehen und Zukunft der ganzen Familie.

Elizabeth setzt alle Hebel in Bewegung, um möglichst schnell bei Jane zu sein. Die beiden Schwestern bestehen Tage der Unsicherheit in wechselseitiger Sorge, und als ihr etwas träger Vater den entscheidenden Brief erhält, bewegen sie ihn gemeinsam, sofort zu antworten, was sich als Schlüssel zu ihrem Glück erweist. Die tragende Kraft einer tiefen Beziehung zeigt sich in den schwersten Krisen.

Diese zeitlose Erfahrung bezeugt die Weltliteratur seit ihrem Ursprung in den biblischen Erzählungen. Jonatan liebt den jungen und musikalisch begabten David „wie sein Leben“ (1Samuel 18), und diese innige Freundschaft ist es, die Davids Leben vor dem eifersüchtigen Jähzorn des Königs Saul rettet und dazu verhilft, dass David zum König für das Volk Israel wird.

Viel weniger dramatisch erscheint zunächst die bei Johannes berichtete Szene, als Andreas und Philippus gemeinsam Jesus darauf ansprechen, dass sogar Griechen sich für ihn interessierten und ihn sehen möchten. Die beiden kennen einander seit ihrer Kindheit, sie stammen beide aus dem Dorf Betsaida.

Sie brauchen den Mut ihrer Freundschaft, um Jesus die Mitteilung in dem kritischen Moment zu machen, als deutlich wird, dass sein Erfolg sein Leben gefährdet. Jesus antwortet ihnen kryptisch, erst nach seinem Tod werde er „alle an sich ziehen“.

Jane Austen lieh den beiden Schwestern ihres Romans ihren eigenen Namen sowie den ihrer einzigen Schwester Cassandra Elizabeth. Die beiden realen Geschwister blieben ihr Leben lang unverheiratet. Die Nähe einer feinfühlig verbundenen Schwester wird beide in Krisen gestärkt haben. Welche gefühlsstarke Beziehung wird mich in den traurigsten Zeiten tragen?

Bimail steht für Bibelmail, ein wöchentliches Rundschreiben des Teams um Pater Georg Sporschill, adressiert an Führungskräfte. Darin werden Lehren aus der Bibel auf das Leben von heute umgelegt.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2011)