Meine Großmutter, ihre Kettensäge und ich

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Symbolbild(c) Erwin Wodicka - BilderBox.com (Erwin Wodicka - BilderBox.com)
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...und plötzlich wird man wie die Oma.

Was haben wir früher über die Oma gelacht, die Mama und ich. Weil die Oma jede Woche bei einer bekannten Kaffeekette (nein, nicht Starbucks) vorbeigeschaut hat, wegen der Sonderangebote. Die waren günstig und wahnsinnig praktisch. Und blieben fast immer unbenutzt. Den elektrischen Tortenschneider, eine Art Minikettensäge, etwa hat die Oma stolz den Verwandten vorgeführt. Aber nur einmal, weil irgendwie, hat sie dann gemeint, reicht ein normales Messer eigentlich schon auch zum Kuchenstückeschneiden. Die überdimensionale Salatschleuder thronte (weil doch zu unhandlich zum Abwaschen), originalverpackt auf dem Küchenkasterl. Und der schicke Handtuchhalter – was soll man sagen: Die Saugnäpfe waren dann doch nicht stark genug.

Heute sind wir selbst wie die Oma, die Mama und ich. Konferieren wöchentlich über das Angebot bei selbiger Kaffeekette. Wenn wir eine Woche einmal nichts kaufen, dann nur, weil die anderen schneller waren. Unlängst hat sich die Mama, wiewohl strikte Mikrowellengegnerin, das „wirklich praktische“ Mikrowellengeschirr zugelegt. Und ich habe mir eine Badewanneneinlage (so eine Antirutschunterlage, mit der Seniorenheime serienmäßig ausgestattet sind) gekauft. Jetzt ist es so weit, hat Freund C. gemeint, als er das Plastikding gesehen hat. Jetzt bist du alt und wunderlich geworden.Nun ja. Alt genug jedenfalls, um sich Gedanken zu machen, ob man eventuell von der jüngsten Modekrankheit aus den USA betroffen sein könnte: dem „Blackberry Hals“. Damit sind jene Falten gemeint, die sich am Hals bilden, wenn man beim SMSen oder Mailen zu lange auf sein Handy hinunterblickt. Wenn Sie jetzt sagen: Betrifft mich nicht, ich habe gar keinen Blackberry und smse kaum, haben Sie sicher noch nie etwas vom Zeitungsleser-Doppelkinn gehört.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2011)

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