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Terror in Norwegen: Massaker dauerte eineinhalb Stunden

Der Verdächtiger Anders Behring B. am Seeufer
Ermittler auf der Insel Utöya
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Während auf der Insel Utöya ein Gemetzel stattfand, suchte die Spezialeinheit nach einem Boot für die Überfuhr. Mindestens 85 Menschen starben. Der 32-jähriger Anders Behring B. legte ein Teilgeständnis ab.

Norwegen steht unter Schock. Einen Tag nach dem Anschlag auf das Regierungsgebäude in Oslo und dem Massaker an Jugendlichen auf der Ferieninsel Utöya wurde die Zahl der Toten auf 92 nach oben revidiert. Und sie könnte weiter steigen. Vier bis fünf Jugendliche wurden am Samstagabend noch vermisst. Die Polizei suchte im See um die Insel nach Leichen - und sie fahndete auch nach einem möglichen Komplizen des 32-jährigen Verdächtigen Anders Behring B.

B., ein christlicher Fundamentalist und bis 2006 Mitglied der rechtspopulistischen Fortschrittspartei, hat am Samstagabend ein Teilgeständnis abgelegt. Er gab gegenüber der Polizei zu, auf der Insel gewesen zu sein und Schüsse abgegeben zu haben. 

Über das Massaker im Feriencamp der Arbeiterjugend tauchten im Laufe des Samstags immer neue Details auf: Es soll nicht 45 Minuten, sondern sogar eineinhalb Stunden gedauert haben. Die Spezialeinheit hatte nämlich Probleme, sich ein Boot für die Überfuhr zu beschaffen. Luftaufnahmen zeigen B. vor der Verhaftung am Seeufer. Nach Polizeiangaben ließ er sich widerstandslos festnehmen. Über sein Motiv machte der Verdächtige keine Angaben.

--> Mehr zum Verdächtigen

Der 32-Jährige soll für die Bombenexplosion im Regierungsviertel mit sieben Toten verantwortlich sein und danach auf der Ferieninsel das Feuer eröffnet haben. Dabei starben mindestens 85 vorwiegend junge Menschen. "Das Paradies für Jugendliche wurde zur Hölle", erklärte Premier Jens Stoltenberg.

Die Polizei schließt nicht aus, dass B. dabei einen Komplizen hatte. Zwei Zeugen gaben gegenüber Ermittlern an, dass ein weiterer Mann im Feriencamp der Sozialdemokraten auf die Jugendlichen geschossen hatte. Im Gegensatz zu B. soll der zweite mutmaßliche Schütze aber keine Polizeiuniform getragen haben. 

--> Video von der Insel nach dem Massaker

B. gelangte auf die Insel, weil er sich vor den Organisatoren als Polizist ausgegeben hatte. Gegen 17.30 Uhr eröffnete er dann das Feuer. Zahlreiche Jugendliche sprangen in den See, um sich in Sicherheit zu bringen. Einige von ihnen wurden auf der Flucht im Wasser erschossen. Andere versteckten sich hinter Felsbrocken. oder im Gebüsch. "Ich stellte mich tot", schildert ein Überlebender.

Die Bombe, die rund zwei Stunden zuvor im Stadtzentrum von Oslo explodiert war, könnte der 32-jährige Verdächtige mit Hilfe von Kunstdünger hergestellt haben. Der Biobauer soll im Frühjahr sechs Tonnen davon eingekauft haben.

Neuer Zwischenfall

Norwegens Premier Jens Stoltenberg sprach Samstag früh von der "schlimmsten Katastrophe für unser Land seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges", König Harald V. von einem "Angriff auf die Demokratie".

Am Samstagvormittag besuchte Stoltenberg die Ferieninsel Utöya. Dabei kam es zu einem weiteren Zwischenfall: In der Nähe des Premiers wurde ein Mann mit einem Messer verhaftet. Er behauptete, die Waffe als Selbstschutz zu tragen und der Arbeiterjugend anzugehören.

Das Militär sicherte unterdessen die Innenstadt von Oslo ab. Die norwegische Flagge wehte an allen öffentlichen Gebäuden auf Halbmast, Teile des Stadtzentrums waren menschenleer. "Das ist heute wie in einer Geisterstadt", sagte der 17-jährige Norweger Harald Jakhelln. Der Osloer Bürgermeister Fabian Stang stellte seine Stadt in eine Reihe mit früheren Terrorzielen wie New York oder London. Alle Fußball-Oberhausspiele am Wochenende wurden abgesagt. Es wird dauern bis in Norwegen wieder Normalität einkehrt.

(Red.)