Zeit für einen Schlussstrich unter den litauisch-österreichischen Völkerball, her mit Sonderbotschafter Ivanauskas.
Ich habe schon länger einen entsprechenden Verdacht gehegt, der baltische Karikaturen-Wettbewerb hat ihn nun bestätigt: Kommissar Rex war ein gedungener Büttel des KGB. Im Nachhinein betrachtet ist es klar wie litauischer Erdäpfel-Schnaps: der treuherzige Blick, die wortkarge Zurückhaltung, und dazu das erstaunliche Geschick bei der Aufdeckung selbst der gefinkeltst geplanten Straftaten. So sehen sie aus, die Erben von Felix Dserschinski.
Ungeachtet dessen möchte ich einen zarten Versuch der Völkerverständigung zwischen Österreich und Litauen unternehmen. Ich nehme den gelb-grün-roten Balten zwar noch immer ein bisschen übel, mir einen Groundhopping-Ausflug zum Ländermatch im September 2008 dadurch versaut zu haben, dass sie das österreichische Nationalteam ungefragterweise mit 0:2 nach Hause geschickt haben. Andererseits bin ich – und hier spreche ich natürlich zutiefst befangen und schwerst parteiisch – Litauen auf ewig dafür dankbar, der Wiener Austria Anfang der 1990er das Dreigestirn Ivanauskas-Narbekovas-Fridrikas gestiftet zu haben. Wenn ich an die Sturmläufe von Valdas Ivanauskas denke, dessen Name sich übrigens sehr gut zur Melodie von Vamos a la playa skandieren lässt, oder an seinen feschen Seitfallzieher beim 4:0 im Wiener Prater am 12.Juni 1993 gegen die Sportfreunde aus Hütteldorf, dann geht mir noch heute das Herz auf.
Und so schlage ich zur Wiederherstellung des friedlichen Einvernehmens vor, Valdas Ivanauskas zum Goodwill-Botschafter der litauisch-österreichischen Freundschaftsgesellschaft zu ernennen. Und den Kommissar Rex vulgo „IM Extrawurst“ liefern wir stehenden Fußes an Vilnius aus. So viel Rechtsstaat muss sein.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.07.2011)