Streit. Erste konkrete Gründe für die fristlose Entlassung der früheren Bewag-Chefs: Sie hätten Ende 2010 Geschäfte gemacht, für die sie nicht befugt waren.
[Wien] „Verfehlungen und grobe Pflichtverletzungen": Mit knappen Worten begründete der Aufsichtsrat der Bewag Anfang Mai, warum aus der einvernehmlichen Kündigung der Ex-Vorstände Hans Lukits und Josef Münzenrieder nachträglich eine „fristlose" wurde. Die beiden früheren Bewag-Chefs wiesen die vagen Vorwürfe empört zurück und klagten ihren ehemaligen Arbeitgeber postwendend auf Einhaltung der ursprünglichen Verträge.
Zwar machten Gerüchte über angeblich dubiose Verträge mit dem Lobbyisten Peter Hochegger im Zusammenhang mit der Expansion des burgenländischen Landesversorgers in Richtung Osten die Runde. Konkrete Vorwürfe legte die Bewag bisher aber nicht vor.
Nun wollen die Anwälte des Energieversorgers einen Grund gefunden haben, warum die Ex-Vorstände nachträglich an die Luft gesetzt wurden: Sie hätten ihre Kompetenzen überschritten, heißt es sinngemäß in einem Schreiben an das Gericht, das der „Presse" exklusiv vorliegt. Konkret geht es um einen Auftrag an die Triple-A Project Marketing GmbH, den die damaligen Bewag-Chefs noch im Dezember 2010 durchgeboxt hätten. Für jeweils 60.000 Euro sollten die Töchter Bewag Energievertrieb und die kroatische B.net Hrvatska dem Unternehmen die „Lizenz für die Nutzung der Triple-A Methode" zur Beurteilung von Marketing- und Vertriebsaktivitäten abkaufen.
Vertrag als „Abschiedsgeschenk"?
Das Problem: Zu dem Zeitpunkt hätten Luktis und Münzenrieder Geschäfte dieser Größenordnung und strategischen Tragweite gar nicht mehr alleine abschließen dürfen, argumentiert die Bewag. Denn schon im Herbst, als die ursprünglich einvernehmliche Auflösung der Verträge verhandelt wurde, war das Verhältnis zwischen Aufsichtsrat und Vorstand mehr als zerrüttet. Daher wurde in der Vereinbarung vom 8. November 2010 auch festgesetzt, dass die beiden Vorstände „über das Tagesgeschäft hinausgehende Geschäfte vor dem Abschluss dem Aufsichtsrat (...) zur Genehmigung vorlegen" müssten.
Stattdessen soll vor allem Hans Lukits bemüht gewesen sein, den Vertrag mit „Triple A" noch vor seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen zu Jahresende abzuschließen. Angeblich soll es sich dabei um ein „Abschiedsgeschenk" für eine Bewag-Mitarbeiterin gehandelt haben, die an die Spitze der „Triple A" wechseln sollte, heißt es aus dem Unternehmen. Zustande kam letztlich nur ein Vertrag mit der Bewag Energievertrieb. Die B.net Hrvatska, mittlerweile an die Telekom Austria verkauft, zeigte trotz „Druck von oben" kein gesteigertes Interesse an der „Triple-A Methode". Auch die neue Bewag-Führung teilte diese Ansicht und trat vom Geschäft zurück. Seither streiten sich Bewag und „Triple A" um das Honorar.
Ewald Weninger, Anwalt der beiden Ex-Vorstände, sieht den Vorwürfen „aus Kenntnis der Sachlage extrem gelassen entgegen". Münzenrieder zeigte sich auf Anfrage überzeugt, dass die Verträge Teil des Tagesgeschäfts waren. Lukits war nicht erreichbar.
Die angekündigte Prüfung der Geschäfte des Ex-Vorstands hat die Bewag damit noch nicht abgeschlossen. Untersucht wird vor allem die Verbindung der früheren Firmenspitze mit Peter Hochegger. Rund sechs Mio. Euro soll die Bewag dem Lobbyisten im Zuge der Expansion des Windgeschäfts in Osteuropa bezahlt haben. Nun wird geprüft, welche Leistungen diesen Zahlungen gegenüberstanden. Nur ein Bruchteil der Bewag-Projekte im Osten wurde tatsächlich umgesetzt. Mittlerweile sucht die Bewag fieberhaft nach Abnehmern für Osteuropageschäft. Lukits wechselte nach seinem Abgang übrigens an die Spitze der Sicon AG. Achtzig Prozent des Unternehmens gehören Peter Hochegger.