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Dürre in Afrika: "Es scheint erst der Anfang zu sein"

Duerre Afrika scheint erst
(c) AP (Farah Abdi Warsameh)
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Helfer in der Hungerregion in Somalia rechnen mit einer weiteren Zuspitzung der Lage. Die UNO bereitet eine Luftbrücke nach Somalia vor.

Die Vereinten Nationen wollen sobald wie möglich dringend benötigte Nahrungsmittel per Luftbrücke in die somalische Hauptstadt Mogadischu bringen. Die ersten Hilfslieferungen sollten spätestens am Mittwoch vom kenianischen Nairobi aus in das Nachbarland geflogen werden, sagte eine Mitarbeiterin des Welternährungsprogramms (WFP) in Addis Abeba. Dort sollen die Lebensmittel von vor Ort tätigen Nichtregierungsorganisationen und örtlichen Ausschüssen an die hungernde Bevölkerung verteilt werden.

Es handle sich hauptsächlich um mit Vitaminen und Mineralien angereicherte Nahrungsergänzungen für die an Unterernährung leidenden Kinder, hieß es. Wahrscheinlich werde das WFP mit zwei Flugzeugen im Einsatz sein. "Die Zeit läuft uns davon", sagte eine Mitarbeiterin von "Save the Children" der BBC in Somalia. "Bisher hat die internationale Gemeinschaft zu viel geredet und zu wenig gehandelt."

Kritik kommt auch von der Geschäftsführerin von Care Österreich, Andrea Wagner-Hager. "Ich kann nicht verstehen, dass man Länder, die mit Flüchtlingsproblemen konfrontiert sind, alleine lässt. Das ist unsere Verantwortung als Weltgemeinschaft und Teil der Globalisierung." 

Sie berichtete über die unvorstellbare Situation der Dürre-Flüchtlinge. Selbst wer den bis zu siebentägigen Gewaltmarsch durch die Wüste von Somalia bis ins Flüchtlingslager Dadaab in Kenia übersteht, ist noch nicht gerettet. Er gilt offiziell noch nicht einmal als Flüchtling, auf diesen Status muss er zwei Monate warten. "Ich kann nicht verstehen, warum die Weltgemeinschaft das zulässt. Um die Situation zu ändern, braucht es auch politische Entscheidungen", so Wagner-Hager.

Geld wird vor allem für die neu ankommenden Flüchtlinge benötigt: Care kümmert sich um die Registrierung der Hungernden, die danach etwa zwei Monate warten müssen, bis sie einen offiziellen Flüchtlingsstatus bekommen können. Derzeit werden pro Tag etwa 250 bis 300 Ansuchen anerkannt, danach stehen den Menschen alle zwei Wochen Rationen an Seife und Grundnahrungsmitteln zur Verfügung. Die Neuankömmlinge müssen abseits davon versorgt werden: Basis-Nahrung und Wasser für die nächsten drei Wochen sind gesichert. Aber was ist danach? Nur Care alleine braucht laut Wagner-Hager 20 Millionen Euro, um den weiteren Flüchtlingsansturm zu bewältigen. "Wir brauchen jede Spende", bittet die Care-Mitarbeiterin. 

70 Prozent des Viehbestandes verendet

Helfer in der Hungerregion in Somalia rechnen mit einer weiteren Zuspitzung der Lage. "Es scheint erst der Anfang zu sein", sagte Ingrid Famula von der Hilfsorganisation SOS-Kinderdörfer weltweit. "Der Höhepunkt scheint noch nicht erreicht." Eine schlimmere Katastrophe als in den 90er Jahren sei wahrscheinlich.

"Wenn die Dürre anhält, werden noch mehr aufbrechen", warnte Wagner-Hager. Es sind fast nur Frauen und Kinder im Camp. Die Männer bleiben noch in Somalia bei ihrem einzigen Lebensunterhalt, den Tieren. Aber auch sie kommen langsam nach, denn 70 Prozent des Viehbestandes sind durch die Dürre bereits verendet.

Spenden

Ärzte ohne Grenzen: Konto-Nr. 930.40.950, BLZ 60.000, Kennwort: "Notfall-Fonds Ostafrika"

Diakonie: Konto-Nr. 231.33.00, BLZ 60.000, Kennwort "Dürre in Afrika"; Diakonie online spenden

Caritas: Konto-Nr. 7.700.004, BLZ 60.000, Kennwort "Hungerhilfe"; Caritas online spenden

CARE: 1.236.000, BLZ 60.000; CARE online spenden

Unicef: PSK 15 16 500, BLZ 60.000, Stichwort: "Kinder Horn von Afrika"; Unicef online spenden

Kindernothilfe: 92.144.077, BLZ 60.000, Kennwort "Dürre Afrika"; KNH online spenden

World Vision 90.890.000, BLZ 60.000, Kennwort: ''Hunger Afrika''; online spenden: www.worldvision.at

SOS-Kinderdorf 1.566.000, BLZ 60.000, Kennwort "Ostafrika"; online spenden: www.sos-kinderdorf.at

(Ag.)