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Altersvorsorge: Krise warf Pensionskassen zurück

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die Pensionskassen brauchten zwei Jahre, um die Krisenverluste aufzuholen. Die OECD rät zu Reformen. In Österreich ringt man seit zwei Jahren um eine neue Regelung.

Wien/B.l. Österreichs Pensionskassen haben in den vergangenen drei Jahren eine Performance von durchschnittlich null Prozent erzielt. Zu diesem Ergebnis kommt die Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD), die 26 Industriestaaten verglichen hat. Real, also inflationsbereinigt, gab es ein jährliches Minus von 1,8 Prozent. In anderen Ländern erging es den Pensionsfonds kaum besser: In den USA betrug das durchschnittliche reale Minus 1,7Prozent. Im Krisenjahr 2008 verloren die Pensionsfonds weltweit 3,4 Billionen Dollar (2,32 Billionen Euro), bis Ende 2010 hatten sie erst drei Billionen Dollar aufgeholt.

10 Billionen Dollar bei US-Fonds

Pensionskassen und Pensionsfonds haben allerdings nicht in allen OECD-Staaten die gleiche Bedeutung. In Österreich etwa ist der Anteil des Pensionskassenvermögens mit etwa fünf Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIPs) vergleichsweise gering. In den Niederlanden ist das Pensionskassenvermögen höher als die jährliche Wirtschaftsleistung des Landes (siehe Grafik).

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In Österreich kommen 90 Prozent der Pensionszahlungen vom Staat über das Umlageverfahren (die jüngere Generation bezahlt für die ältere). Der Rest verteilt sich auf die zweite Säule der betrieblichen Vorsorge (dazu zählen Leistungen von Pensionskassen, betrieblichen Kollektivversicherungen, direkte Pensionszahlungen von Firmen sowie die verpflichtende „Abfertigung neu“) und die dritte Säule (private Vorsorge). In der Schweiz oder den USA kommt nicht einmal die Hälfte der Zahlungen vom Staat, in den Niederlanden ist es die Hälfte.

US-Pensionsfonds zählen mit einem Vermögen von 10,6 Billionen Dollar zu den mächtigsten Playern auf den internationalen Finanzmärkten. Sie stehen für 55 Prozent des gesamten Pensionsfondsvermögens der OECD-Staaten. Größere Anteile entfallen auch auf britische (zehn Prozent), japanische (sieben), niederländische (sechs), australische (sechs) und kanadische (fünf Prozent) Fonds.

Die OECD rät angesichts der unsicheren Konjunkturaussichten, sich gegen Verluste abzusichern und mehr Versicherungselemente einzubauen; sie begrüßt, dass in vielen Ländern bereits Reformen in Angriff genommen wurden.

In Österreich ringt man seit gut zwei Jahren um eine Neuregelung des Pensionskassengesetzes. Dabei soll unter anderem eine „Sicherheitsvariante“ beschlossen werden, mit der die anfängliche Pensionshöhe garantiert wird. Wer diese Variante wählt, muss aber mit einer niedrigeren Anfangspension rechnen. Offen ist, wer jenen Pensionisten helfen soll, deren Pensionen laufend von Kürzungen betroffen sind, weil man beim Vertragsabschluss zu hohe Ertragserwartungen hatte und die Arbeitgeber entsprechend wenig einbezahlten. Strittig ist zudem, ob man sich das Kapital auf einmal auszahlen lassen kann oder nicht (derzeit ist das nur in bestimmten Ausnahmefällen möglich).

Halbjahr war wieder negativ

Im ersten Halbjahr war das Ergebnis der heimischen Pensionskassen wieder negativ, es betrug im Schnitt minus 1,2Prozent. Für die 67.000 Personen, die bereits eine Zusatzpension aus einer Pensionskasse erhalten, hat das vorerst keine Auswirkung. Bleibt jedoch das Gesamtjahresergebnis negativ, müssen sich viele auf Pensionskürzungen einstellen. Gekürzt wird, wenn die Performance unter dem vereinbarten Rechnungszins (Ertragserwartung) liegt und zu wenige Reserven vorhanden sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2011)