Wenig Interesse an "Parteienpakt gegen Hetze"

Wenig Interesse an
Wenig Interesse an "Parteienpakt gegen Hetze"Herbert Kickl (c) Die Presse (Clemens Fabry)
  • Drucken

Die Freiheitlichen und das BZÖ sehen Scheinheiligkeit beziehungsweise Instrumentalisierung durch die Regierungsparteien. Die Grünen verweisen auf eine eigene Charta.

Der Vorschlag von Sozialdemokraten und Volkspartei, angesichts der Terroranschläge in Norwegen einen "Parteienpakt gegen Hetze" abzuschließen, stößt bei der Opposition auf wenig Interesse. Während FPÖ und BZÖ in Aussendungen am Mittwoch Scheinheiligkeit der Regierung beziehungsweise eine Instrumentalisierung der Ereignisse sehen, verweisen die Grünen lieber auf ihren eigenen Vorschlag, eine "Demokratie-Charta" zu unterzeichnen.

FPÖ: "Meisterstück von Scheinheiligkeit"

Die Freiheitlichen können sich weder für den vorgeschlagenen Pakt noch für die grüne Charta recht begeistern. Beides sei ein Meisterstück von "Scheinheiligkeit", kommentierte der freiheitliche Generalsekretär Herbert Kickl die Vorschläge. Es werde "auf billigste und unmoralische Art und Weise einmal mehr versucht auf dem Rücken von unschuldigen Opfer eines irren Attentäters politisches Kleingeld zu wechseln".

BZÖ: "Verhöhung der Opfer"

BZÖ-Obmann Josef Bucher klang kaum anders: So sei das BZÖ zwar immer gegen Hetze aufgetreten. "Ich verwahre mich aber dagegen, dass die tragischen Ereignisse in Norwegen dafür instrumentalisiert werden, um daraus billiges innenpolitisches Kapital zu schlagen." Es sei eine "Verhöhnung der Opfer und deren Angehörigen", wenn in Österreichs Parteien die Diskussion nur dazu missbrauchen würden, um einen politischen Vorteil daraus zu ziehen, so Bucher.

Grüne "grundsätzlich erfreut"

Für die Grünen sind die Aussagen von SP-Kanzler Werner Faymann und VP-Vizekanzler Michael Spindelegger grundsätzlich erfreulich. Allerdings geht Bundessprecherin Eva Glawischnig davon aus, dass beide nun die von den Grünen am Dienstag vorgestellte "Charta für mehr Offenheit, Humanität und Demokratie" unterzeichnen. Diese liege allen Parteichefs bereits vor, eine derartige Übereinkunft hält Glawischnig für die "richtige Konsequenz aus dem Terrorakt in Norwegen".

(Ag.)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

AntiTerrorPaket SPoe will kein
Politik

Anti-Terror-Paket: SPÖ will "kein Gesinnungsstrafrecht"

Die SPÖ lehnt die von Mikl-Leitner geforderte Daten-Verknüpfung weiter ab, kann sich aber eine schärferes Waffengesetz vorstellen. Die FPÖ warnt wegen des Anti-Terror-Pakets vor einer Einschränkung der Meinungsfreiheit.
Anti-Terror-Maßnahmen: SPÖ bremst
Politik

SPÖ fordert Ausbau von Anti-Terror-Einheiten

Die SPÖ setzt sich für die Effizienzsteigerung von Anti-Terror-Einheiten und eine Verschärfung der Bestimmungen bei Hetze im Internet ein. Weitere Daten-Befugnisse für Behörden seien aber nicht praktikabel.
Recht allgemein

Anti-Terror: „Man kann nicht Tausende überwachen“

Justizexperte Roland Miklau hält präventive Speicherung von Interneteinträgen für schwer durchführbar. Strafen für das "Gutheißen" terroristischer Taten seien legitim.
Recht allgemein

Zahl der „Hetzer“ ist im Steigen

Im Vorjahr wurden zehn Leute wegen Verhetzung verurteilt. SPÖ und ÖVP sind sich uneins, ob es neue Straftatbestände braucht. „Hetzern“ drohen gemäß § 283 des Strafgesetzbuches bis zu zwei Jahre Haft.
Innenpolitik

Koalition schärft Anti-Terror-Kurs

Nach den Anschlägen in Norwegen drängt die ÖVP auf ihr "Anti-Terror-Paket", die SPÖ will verstärkte internationale Kooperation und bessere Mittel für die Polizei.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.