Von Liebhabereien und Weingärten de luxe

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Südsteiermark: Bei der Immobiliensuche in der österreichischen Toskana kann ein Plausch mit dem Winzer hilfreich sein. Schließlich sind tolle Objekte, wie etwa ein Kellerstöckl mit Aussichts- und Alleinlage, rar.

In Anlehnung an eine landläufige Redewendung: Ein Pläuschchen in Ehren soll niemand verwehren. Denn der Weg zur Wunschimmobilie in den südsteirischen Weinbergen führt mitunter über den Weinbauern. Schließlich zeichnet ihn wertvolles Insiderwissen aus. Winzer Stefan Potzinger ortet auch die Möglichkeit für Synergien: „Immobilien sind oft an landwirtschaftliche Flächen gebunden – während Interessenten diese eher als Belastung sehen, sind für den Winzer eher die Gebäude der Pferdefuß.“ Der Aufenthalt in der Region mit entsprechender Kommunikationstüchtigkeit kann sich also durchaus auszahlen, denn nicht alle Objekte werden auf dem offiziellen Markt gehandelt. Makler bestätigen: Die Nachfrage ist groß, das Angebot gering.

Immo-Schmankerln sind rar

Die malerische Landschaft und lukullische Spezialitäten verschmelzen zu einem südsteirischen Savoir-vivre, das in von Weingärten umgebenen Hügellagen mit Rundumblick gipfelt. Aber auch die gute Anbindung an die Autobahn macht zum Beispiel den Landstrich rund um Hochgrassnitzberg und Ratsch, wo der Winzer Potzinger seine Weingärten hat, attraktiv.

Das nachgefragte Gebiet erstreckt sich laut Maklerin Edith Strohmaier, die sich auf südsteirische Immobilien spezialisiert hat, auf die gesamte Region Gamlitz-Ehrenhausen-Leutschach-Spielfeld sowie auf das Gebiet Kitzeck-Sausal-Demmerkogel. Potzinger rät zum Blick über die slowenische Grenze, wo das Preisniveau derzeit noch niedriger, die Landschaft aber ebenso reizvoll ist. Doch auch dort steigt das Bewusstsein um den Wert der Liegenschaften. „Die Kosten werden sich in Zukunft annähern“, konstatiert Strohmaier.

In der Südsteiermark unterscheidet Gerd Nemetz von Dr. Max Huber Immobilien klar den einheimischen Markt, auf dem das Preissegment im Rahmen von 250.000 bis 300.000 Euro vorherrscht, und den Luxusimmobilienmarkt, auf dem Aussichts- und Alleinlagen ganz oben auf der Wunschliste stehen. Dafür werden Preise von 500.000 Euro bis zu einer Million Euro erzielt. Den Preis zweier aktuell zum Verkauf stehender Liegenschaften in Gamlitz und Ratsch darf Nemetz auf Wunsch der Eigentümer nur an konkrete Interessenten weitergeben. Erstes Anwesen ist 50.000Quadratmeter groß, das zweite stolze sechs Hektar. „Was am stärksten gesucht wird – das traditionelle Kellerstöckl –, ist kaum vorhanden“, berichtet Nemetz. Die Nachfrage nach diesen ehemaligen landwirtschaftlichen Nutzgebäuden ist bereits so weit gediehen, dass auch weniger attraktive Lagen und historisch minder wertvolle 1970er- und 1980er-Jahre-Bauten Absatz finden. Aus dem 19.Jahrhundert hingegen stammt ein 430.000-Euro-Objekt von Strohmaier: Das renovierte Kleinod in der Nähe von Kitzeck bietet 150 Quadratmeter Wohnfläche und 15.500 Quadratmeter Grund. Begehrte Lagen und Liebhaberobjekte erzielen exorbitante Preise, Nemetz spricht dabei aber von „Ausrutschern nach oben“, denn sie stünden nicht auf der Tagesordnung.

Naturpark und Auflagen

Die Interessenten stammen großteils aus der Steiermark selbst, dem Wiener Raum und Deutschland. Auf der Einkaufsliste stehen laut Strohmaier Grundstücke, Weingüter und Landhäuser. „Weingärten sind ganz rar und fast nicht mehr zu haben“, berichtet sie. Teils wären die Käufer auch daran interessiert, sie aus Liebhaberei selbst zu bewirtschaften. Vor einem Ausverkauf fürchtet sich Potzinger aber nicht. Das Interesse tue der Region tut, die Zeiten einer Arme-Leute-Gegend sind passé. Immerhin haben auch prominente Persönlichkeiten wie Tennisass Thomas Muster oder der Manager Bernd Pischetsrieder Domizile im südsteirischen Weinland erworben.

Da es sich bei der Region um einen Naturpark handelt, ist entsprechende Vorsicht bei Um- und Neubauten geboten: Diese müssen den Vorgaben zu Landschafts- und Ortsbildschutz entsprechen. Auch die Nutzung bestehender Gebäude unterliegt Auflagen: „Aus 100Quadratmetern Stall kann man nicht einfach 200 Quadratmeter Wohnfläche machen“, gibt Nemetz zu bedenken. Aber vielleicht ergeben sich auch dafür findige Lösungen bei einem Plausch mit dem Winzer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.07.2011)

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