Die Mozart-Matineen gehören nach wie vor zu den beliebtesten Programmfixpunkten der Salzburger Festspiele.
Eine Zeit lang wurde das Konzept ja ein wenig aufgeweicht, doch ist man längst zum bewährten Duktus zurückgekehrt: Die Mozart-Matineen der Salzburger Festspiele sind beim Publikum deshalb so beliebt, weil in der Regel wirklich ausschließlich Werke des Genius Loci aufgeführt werden. Erinnert man sich an die Entstehung der Vormittagskonzerte, dann muss der Name Bernhard Paumgartner fallen, der sich um die Wiederaufführung kaum beachteter Teile des Mozart'schen Œuvrekatalogs kümmerte und allerlei vokale und instrumentale Kostbarkeiten zutage förderte.
In der Ära nach Paumgartner setzte man lieber auf Bewährtes und holte junge Talente als Solisten für Konzertarien und Konzerte. So feierten Stars ihr Festspieldebüt nicht selten an Sonntagvormittagen im Mozarteum. 2011 kann man bei dieser Gelegenheit Künstler wie Julia Fischer (6./7. August mit dem Violinkonzert in G-Dur), Emmanuel Pahud (mit Marie-Pierre Langlamet im Konzert für Flöte und Harfe) oder den Countertenor Bejun Mehta erleben, der am 27. und 28.August die Probe aufs Exempel machen wird und zwei Arien aus frühen Mozart-Opern einer Szene aus Georg Friedrich Händels „Agrippina“ gegenüberstellen wird – spannend im direkten Vergleich zu hören, wie weit das kindliche Genie aus Salzburg dem Großmeister der Oper des Spätbarock wirklich Paroli bieten konnte.
Hammerklavier und Oboen-Rätsel. Am 20. und 21.August wird Kristian Bezuidenhout demonstrieren, wie sich ein viel gespieltes Klavierkonzert (KV 482) auf dem Hammerklavier ausnimmt – Giovanni Antonini wird an diesen Vormittagen auch die B-Dur-Symphonie KV 319 und die Posthornserenade dirigieren.
Raritäten und großes Mozart-Repertoire trafen in der ersten Matinee aufeinander. Thomas Zehetmair, der als Geiger Ende der Siebzigerjahre in einer Mozart-Matinee sein Festspieldebüt gab, präsentierte sich diesmal als Dirigent und leitete nebst der „Prager-Symphonie“ und dem einzelnen Menuett KV 409 auch die Jugend-Sinfonia in D-Dur, KV 181 – die das Mozarteum-Orchester in den Ecksätzen zwar recht hemdsärmelig, aber spürbar mit Freude musizierte.
Als Solist nahm sich Albrecht Mayer des an sich schon zweifelhaften Violinkonzerts KV271a an, in einer Version für Oboe und Orchester – er ließ dank makellos schön modellierter Kantilenen vergessen, dass diese vermutlich nicht von Mozart stammen und schon gar nicht für die Oboe bestimmt waren.
Das Konzert ist nur in Abschriften überliefert und zeigt manche Details, die kaum original sein dürften, nicht zuletzt die Pizzicato-Intonation des Hauptthemas im Mittelsatz.
Doch bietet vor allem der vielleicht „mozartischste“ Teil, das Finale, Gelegenheit zu herzhaftem Musikantentum, dessen sich Mayer durchwegs befleißigt.
Wie Mozart selbst für Oboe komponiert hatte, war schon in der einleitenden Sinfonia zu hören. Da spielte die Mozarteum-Solistin im Mittelsatz mit Inbrunst eine ganz und gar für das Blasinstrument erfühlte Melodielinie – zur behutsamen Begleitung ihrer Kollegen.
Es gehört wohl auch zum Salzburger Festspielgeist, während einer Matinee solche historisch-kritischen Überlegungen anstellen zu dürfen.
Von Albrecht Mayer wurde das Publikum zuletzt noch mit einem schmeichelweich geblasenen Bach-Adagio für den lauten Applaus belohnt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2011)