Libyen: Rebellen-Militärchef von Eigenen erschossen

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Libyen: Rebellen-Militärchef von Eigenen erschossen(c) REUTERS (ESAM OMRAN AL-FETORI)

Rache wird als Tatmotiv vermutet, der Rebellenchef General Abdel Fattah Younis war ein Feindbild für Islamisten und hat in der Vergangenheit gegen sie agiert.

Bengasi/Wien/Ag. Sie bekämpfen nun nicht mehr einen gemeinsamen Feind, sondern liefern sich auch untereinander schwere Gefechte: In der Nacht auf Sonntag wurden bei Kämpfen zwischen rivalisierenden libyschen Rebellengruppen vier Menschen getötet und sechs weitere verletzt, wie das Informationsministerium des Rebellenrates mitteilte.

Demnach griffen die Truppen der Aufständischen mehrere Kämpfer einer Splittergruppe in einer Kaserne am Stadtrand der Rebellenhochburg Bengasi an. Anschließend dauerte es fünf Stunden, bis die Kontrolle über den in einem westlichen Außenbezirk gelegenen Militärstützpunkt wiederhergestellt werden konnte.

Nachdem Ende vergangener Woche der Oberkommandierende der Oppositionsstreitkräfte, Abdel Fatah Younes, von Islamisten aus den eigenen Reihen erschossen wurde, werden Risse innerhalb der libyschen Aufständischen deutlich. Rebellen haben nach der Ermordung des Militärchefs den mutmaßlichen Drahtzieher des Attentats, den Chef der Jirah-al-Obeidi-Brigaden, festgenommen. Der Chef des Übergangsrats, Mustafa Abdel Jalil, rief die Opposition zur Einheit auf und forderte die Auflösung aller Milizen. Auch die USA riefen die Aufständischen zum Zusammenhalt auf.

Younes war bis vor einigen Monaten einer der engsten Verbündeten von Machthaber Muammar al-Gaddafi, zuletzt als Innenminister. Als im Februar der Aufstand ausbrach, wechselte er die Seiten. Als Tatmotiv wird daher Rache vermutet; als Innenminister hatte Younes Islamisten verfolgt.