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Norwegen: Staus verhinderten noch größeres Blutbad

Norwegen-Terror: Staus verhinderten SchlimmeresNorwegen-Terror: Staus verhinderten Schlimmeres
Norwegen-Terror: Staus verhinderten SchlimmeresArchivbild: Unmittelbar nach der Explosion in Oslo (c) Reuters (Thomas Winje Oijord/Scanpix)
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Das Vorgehen des Attentäters Anders B. Breivik ist mittlerweile genauer rekonstruierbar. Dichter Verkehr hinderte Breivik daran, mehr Menschen zu töten.

[Oslo/Wien/Ag.] Es hätte schlimmer kommen können: Wie am Sonntag bekannt wurde, hatte der norwegische Rechtsradikale Anders Behring Breivik, der bei Anschlägen am Freitag vor gut einer Woche 77 Menschen getötet hatte, noch umfassendere Terrorpläne.

Das berichtete die norwegische Zeitung "Aftenposten" unter Berufung auf Polizeikreise, dass der 32-Jährige auch Bomben am Osloer Königsschloss und am Hauptquartier der norwegischen Sozialdemokraten detonieren lassen wollte. Mehrere Verkehrsstaus hatten den Attentäter jedoch aufgehalten und so das Ausmaß der Katastrophe wahrscheinlich deutlich gemildert, bestätigte ein Polizeisprecher.

Breivik plante Staus nicht ein

Auf der Fahrt von Oslo auf die Ferieninsel Utøya geriet Breivik demnach noch einmal in einen Stau auf der E16, wo ebenfalls ein verunfalltes Fahrzeug den Verkehr blockiert habe und Arbeiten an einem Tunnel zusätzliche Verzögerung gebracht hätten. Als Breivik schließlich auf Utøya ankam, waren dort bereits viele Menschen vom Jugendferienlager der sozialdemokratischen Partei abgereist.

Dazu gehörten auch zahlreiche Spitzenpolitiker der norwegischen Sozialdemokraten, von Norwegens Ex-Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland abwärts. Sie statteten der Insel von 11.10 Uhr bis 15.00 Uhr einen offiziellen Besuch ab. Gemäß Breiviks ursprünglichen Plänen wäre er ungefähr dann auf der Insel angelangt. Unter Berufung auf Polizeikreise schreibt "Aftenposten", dass Breivik die nötigen Strecken bei der Planung der Attentate mehrmals abgefahren sei, niemals jedoch zur Hauptverkehrszeit.

Bis zuletzt am "Manifest" gearbeitet

Offenbar brachte aber auch Breiviks Zwang zur Selbstdarstellung seine eigenen Pläne durcheinander. Wie es in dem Zeitungsbericht heißt, konnte er nicht davon lassen, noch bis zuletzt an seinem "Manifest" herumzuschreiben, das er deshalb erst am frühen Nachmittag verschickte - zu einem Zeitpunkt, an dem er offenbar bereits die Bombe von Oslo gezündet haben wollte.

Die Egomanie des Täters erschöpft unterdessen offenbar auch die Ermittler. Wie es am Wochenende aus Polizeikreisen hieß, sei Breivik bei Befragungen „sehr auskunftsfreudig“. Ob und inwieweit Äußerungen darunter sind, die den Ermittlern weiterhelfen, ist nicht klar. Bekannt ist, dass Breivik den Behörden gegenüber absurdeste Forderungen stellt.
Breivik fordert Rücktritt der Regierung

Breivik soll Deal angeboten haben

Nach Medienberichten vom Sonntag verlangte der Attentäter etwa den Rücktritt von Norwegens Regierung als Gegenleistung für Aussagen über angebliche weitere terroristische "Zellen" in Norwegen, mit denen er verbündet sei. Zwei Psychiater sollen den 32-Jährigen, der am 22. Juli 77 Menschen tötete, auf seine Zurechnungsfähigkeit untersuchen und ihr Gutachten bis Anfang November vorlegen.

Breivik erfuhr von der Polizei am Wochenende erstmals die Zahl seiner Opfer, zeigte aber keinerlei Regung. Bei den Verhören forderte er den Rücktritt von Norwegens Regierung, des Königs sowie der Armeeführung – als Gegenleistung für seine Aussagebereitschaft.

Breiviks Anwalt hatte erklärt, er halte ihn für geisteskrank. Nach Medienangaben von Samstag wollte der Massenmörder auch Bomben am Osloer Schloss und der Parteizentrale der norwegischen Sozialdemokraten platzieren. Unklar blieb, ob das Teil der Pläne für den Freitag war beziehungsweise ob es überhaupt konkrete Pläne und Vorbereitungen dafür gab.

(Ag./Red.)