Österreichs größter Telekomkonzern soll laut "Profil" über Mittelsmänner den Kurs der eigenen Aktie manipuliert haben, damit Manager Bonuszahlungen in Millionenhöhe erhalten.
Wien/Red. Der geheimnisvolle Kurssprung der Telekom-Austria-Aktie, der eine Gruppe von Managern um mehrere Millionen reicher machte, liegt schon mehr als sieben Jahre zurück. Doch nun sollen die Ermittler einen entscheidenden Schritt vorangekommen sein. Am 26. Februar 2004 kaufte jemand kurz vor Börseschluss im großen Stil Aktien der Telekom Austria. Dieser einzige Auftrag sorgte dafür, dass jener Aktienkurs erreicht wurde, der notwendig war, damit rund 100 Telekom-Manager eine Sonderprämie von knapp neun Mio. Euro erhielten.
Österreichs größter Telekomkonzern hatte zum damaligen Zeitpunkt ein umstrittenes Optionsprogramm laufen. Demnach musste der Aktienkurs von 20. bis 26. Februar 2004 im Schnitt über 11,70 Euro liegen, um den Führungskräften die Auszahlung einer Prämie zu sichern.
In den ersten Tagen waren die Kurse tagsüber jeweils über 11,70 Euro gelegen, doch in den Schlussauktionen wurde der Preis nach unten gedrückt. Daher hing alles davon ab, wie sich der Preis am 26.Februar 2004 entwickelte. Zweieinhalb Minuten vor Börseschluss kaufte jemand 900.000 Telekom-Aktien und der Kurs kletterte auf 11,73 Euro. Die Manager hatten allen Grund zur Freude.
Euro Invest: „Kein Kommentar“
Die Finanzmarktaufsicht (FMA) nahm sofort Untersuchungen auf und fand heraus, dass es sich bei dem geheimnisvollen Aktienkäufer um die Wiener Euro Invest Bank handelte. Vertreter des kleinen Wertpapierhandelshauses hatten in der Vergangenheit stets bestritten, dass sie im Auftrag der Telekom Austria gehandelt haben.
Laut „Profil“ soll die Staatsanwaltschaft Wien im Juli bei der Euro Invest eine Hausdurchsuchung durchgeführt haben. Dort soll ein hochrangiger Vertreter des Handelshauses zugegeben haben, dass der Auftrag, die Aktien zu kaufen und den Kurs nach oben zu manipulieren, seinerzeit aus der Telekom Austria gekommen sei.
Ein Sprecher der Euro Invest sagte am Samstag zur „Presse“, er könne sich zu einem offenen Verfahren nicht äußern.
Eine Sprecherin der Telekom Austria erklärte, dass der aktuelle Vorstand nichts von einer Kursmanipulation wisse. Jene Vorstände, die damals für die Causa verantwortlich sein könnten, arbeiten nicht mehr für den Konzern. Und ein Sprecher der Staatsanwaltschaft war nicht erreichbar.
Laut „Presse“-Informationen heben die Sprecher der Staatsanwälte am Wochenende ihr Handy nicht mehr ab, weil sie für diese Zusatzarbeit nichts bezahlt bekommen. Dem Vernehmen nach gibt es deswegen seit Längerem einen Streit zwischen dem Justizministerium und der Staatsanwaltschaft. Eine Sprecherin von Justizministerin Beatrix Karl konnte dies am Sonntag weder bestätigen noch dementieren.
Rechnung für eine Studie
Zurück zum Telekom-Kurssprung: Bereits im Frühjahr 2011 war bekannt geworden, dass bei Razzien beim Lobbyisten Peter Hochegger eine Rechnung von der Euro Invest gefunden wurde. Und zwar für eine Studie über erneuerbare Energien. Hochegger stand wiederum auf der Payroll der Telekom Austria.
In der Vergangenheit hatten Vertreter der Euro Invest stets dementiert, dass das für die Studie erhaltene Geld mit der mysteriösen Kursbewegung bei der Telekom Austria zusammenhing. Hocheggers Anwalt war am Sonntag nicht erreichbar. Die Grünen brachten Anzeige wegen des Verdachts des Betrugs und der Untreue ein.
Für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2011)