Schnellauswahl

Rezension: Von der Kunst des Plagiats

Kunst Plagiats
(c) BilderBox (Wodicka; A-4062 Thening)
  • Drucken

Ein Ratgeber fürs Plagiieren als ironischer Appell für anständiges wissenschaftliches Arbeiten.

Nicht nur in Deutschland nimmt die Plagiatsjagd kein Ende, auch in Österreich zittert derzeit so mancher um seinen Doktortitel: Party-Prinz Mario Schaumburg-Lippe wartet auf die Entscheidung der Uni Innsbruck, demnächst wird ein neues Gutachten zu der umstrittenen Arbeit von EU-Kommissar Johannes Hahn vorliegen. Ein guter Moment, um ein Büchlein aufzuschlagen, das kürzlich erschienen ist.

„Von der hohen Kunst, ein Plagiat zu fertigen“ ist ein Ratgeber über das Plagiieren, geschrieben in Form einer Anleitung für das perfekte Plagiat: In zehn Schritten erklärt Roland Schimmel, Rechtsanwalt und Dozent an deutschen Unis, welche Professoren zu bevorzugen sind, welche Themen und Quellen sich eignen, welche Fehler passieren – und vor allem, wie viel Mühe ein gutes Plagiat eigentlich erfordert („Ein gutes Plagiat verlangt Zeit, Sorgfalt, Sachkenntnis und Konzentration.“). Denn tatsächlich ist der Band ein ironischer Appell für anständiges wissenschaftliches Arbeiten. Wer glaubt, dass er sich durchs Abkupfern Zeit erspart, der irrt, meint Schimmel: Die Zeitersparnis beim Schreiben muss für das Vertuschen der Tat aufgewendet werden– statt mit viel Aufwand ein Plagiat zu produzieren, kann man also eigentlich gleich eine wissenschaftlich korrekte Arbeit verfassen.

Doch weil man nie sicher sein kann, ob es nicht auch ironieresistente Menschen gibt, die sich nun mit dem Büchlein in der Hand am Plagiat versuchen, hat Schimmel auch für den Fall des Auffliegens einen Rat parat: „Sie brauchen eine Exit-Strategie. Nur ganz ausnahmsweise funktioniert Aussitzen.“beba

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2011)