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Schlechte Noten als lukratives Geschäft

Schlechte Noten lukratives Geschaeft
(c) Clemens Fabry
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Umfrage: 27 Prozent geben an, Nachhilfe für ihre Kinder in Anspruch zu nehmen, 21 Prozent bezahlen dafür. Allein im Sommer geben Eltern fast 37 Millionen Euro für externe Lernunterstützung aus.

Wien/Vrg. Während sich der Großteil der Schüler über den letzten verbliebenen Ferienmonat freut, müssen rund 55.000 Kinder im Herbst zu einer Nachprüfung antreten. Für viele beginnt im August schon wieder die Nachhilfe. Laut einer Umfrage der Arbeiterkammer betrifft dies jede achte Familie mit Schulkindern. Allein im Sommer werden für externe Lernunterstützung insgesamt 36,6 Millionen Euro ausgegeben. Die Nachhilfe ist ein lukratives Geschäft.

27 Prozent der Eltern geben an, Nachhilfe für ihre Kinder in Anspruch zu nehmen, 21 Prozent bezahlen dafür (siehe Grafik). Im heurigen Jahr werden so insgesamt 127 Millionen Euro ausgegeben. Die Stundenpreise variieren stark, für Einzelunterricht zahlen Eltern bei Instituten im Schnitt 31 Euro, private Einzelstunden kosten im Schnitt 19 Euro. Der Unterricht in Kleingruppen kommt mit durchschnittlich 14Euro etwas billiger.

 

(c) Die Presse / JO

Am teuersten in Wien

Pro Kind, für das bezahlte Nachhilfe in Anspruch genommen wird, wenden Eltern im Schnitt 678Euro jährlich auf – etwas weniger als im Vorjahr (678 Euro). Wiener Eltern haben mit 866Euro die höchsten Kosten zu bewältigen. Am unteren Ende der Skala befindet sich Salzburg, wo die Lernhilfe pro Kind 566 Euro kostet. Gestiegen sind jedoch die Ausgaben pro Haushalt: Der Durchschnitt betrug im Vorjahr 764 Euro, heuer beläuft er sich auf 775 Euro.

Rund die Hälfte der Eltern, die für ihr Kind eine bezahlte Nachhilfe engagieren, ist dadurch finanziell stark bzw. spürbar belastet. Immerhin 70.000 der 270.000 Schüler, die laut der Umfrage Nachhilfe benötigen würden, können diese vor allem aus Kostengründen nicht in Anspruch nehmen. Dies habe negative Effekte auf die Bildungsgerechtigkeit, heißt es in der Studie.

Von ihrem eigenen Engagement sei der Nachhilfebedarf weitgehend unabhängig, vermuten die Eltern. Der Grund liege in der Schule, wo Lernstoff nicht vertieft und nicht auf einzelne Schüler eingegangen werden könne. Um den Bedarf an Nachhilfe einzudämmen, wünschen sich die meisten Eltern bessere schulische Betreuung. Erfolg versprechen sie sich vor allem durch einen Ausbau der schulischen Nachmittagsbetreuung bzw. der Ganztagsschulen und mehr individuelle Förderung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.08.2011)