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Der trickreiche Aufstieg des Dollar zur Weltwährung

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(c) EPA (FREDRIK VON ERICHSEN)
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Die Konferenz von Bretton Woods 1944 hat die Welt verändert. Der Ökonom John Maynard Keynes wurde von den Amerikanern offenbar ausgetrickst.

"Der Dollar ist unsere Währung, aber euer Problem", sagte US-Finanzminister John Connally 1971. Daran hat sich 40 Jahre später nichts geändert - auch wenn die US-Konjunktur schwächelt und der staatliche Schuldenberg ungebremst wächst. Eine Alternative zum Dollar als Leitwährung ist vorerst nicht in Sicht - schon gar nicht aus Europa.

Doch wie ist es so weit gekommen? Denn bis zum Ersten Weltkrieg war London der weltweit führende Finanzplatz. Die Amerikaner hielten sich bis dahin zurück, obwohl die Wirtschaft weit schneller als die der europäischen Mächte wuchs. In der Zwischenkriegszeit wurde allerdings erstmals der US-Einfluss bemerkbar, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" kürzlich schrieb. Während das Deutsche Reich bei Franzosen und Briten hoch verschuldet gewesen sei, hätten diese beiden hohe Schulden bei den Amerikanern gehabt.

Der Aufstieg zur Weltleitwährung

Den Aufstieg des Dollar zur Weltleitwährung machte aber erst die Konferenz von Bretton Woods (1.-22. Juli 1944) möglich. "Die Länder, die dem IWF zwischen 1945 und 1971 beigetreten sind, haben sich darauf geeinigt, ihre Wechselkurse (den Kurs ihrer Währungen zum US-Dollar und, im Falle der USA den Kurs von US-Dollar zu Gold) an feste Kurse zu binden, die nur verändert werden durften, um ein 'fundamentales Ungleichgewicht' in der Zahlungsbilanz auszugleichen und wenn der IWF dies zudem genehmigte", heißt es auf der Homepage des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu Bretton Woods. So harmonisch, wie es klingt, ging es dabei aber nicht zu.

Denn vor allem einer versuchte vehement, eine Hegemonialstellung der Vereinigten Staaten zu verhindern: Der Ökonom John Maynard Keynes, der für Großbritannien die Verhandlungen über die Nachkriegsordnung führte. Keynes träumte von einem supranationalen Währungssystem ("Bancor", siehe unten), wie Georg Zoche in seinem Buch "Welt Macht Geld" schreibt. Noch 1943 schrieb er demnach zuversichtlich an seine Mutter: "Zwischen den britischen und amerikanischen Beamten entstand eine außerordentliche Kameradschaft mit beinahe emotionalen Abschiedsszenen".

Keynes Traum: Weltwährung Bancor

1943 veröffentlichte Keynes einen Entwurf, der die Einführung des "Bancor" als internationale Verrechnungseinheit vorsah, an die die teilnehmenden Währungen gekoppelt werden sollten. Der Wert des Bancor selbst sollte durch Gold gedeckt werden.

Der Griff in die Trickkiste

Keynes erkannte in der Doppelfunktion des Dollar als Leit- und nationale Währung einen destabilisierenden Faktor (der später als "Triffin Dilemma" bekannt werden sollte). US-Finanzminister Henry Morgenthau und sein Berater Harry Dexter White bastelten jedoch an einer nach US-Interessen ausgerichteten internationalen Ordnung. Sie griffen dabei laut Zoche in die Trickkiste:

  • Keynes wurde als wichtigster Kritiker von wichtigen Debatten ferngehalten, in dem die Konferenz von Bretton Woods in die Bereiche "Währung" und "Bank" aufgeteilt wurde. Keynes wurde Vorsitzender des Bereichs Bank und war so an wichtigen Gesprächen nicht beteiligt.
  • Die Schriftführer (und deren Assistenten) sämtlicher Unter-Kommissionen waren US-Amerikaner.
  • In Atlantic City wurde im Juni eine "Übungskonferenz" abgehalten.
  • Keynes war über die Einladungsliste der 44 teilnehmenden Staaten entsetzt - 21 Länder konnten seiner Ansicht nach "ganz offensichtlich nichts beitragen". So wurden wichtige Länder wie Holland ausgeschlossen, das unwichtige Kuba etwa nahm teil ("Kuba: sie wären stille Teilnehmer und ihre hauptsächliche Funktion bestünde darin, Zigarren mitzubringen", sagte White laut Protokoll).
  • Schwierige Debatten wurden in "Spezialkomitees" ausgelagert, die Harry Dexter White teilweise mit seinen eigenen Leuten besetzte oder international besetzte und dann doch nicht einberief.
  • In Dokumenten wurde das Wort "Gold" durch "Gold oder US-Dollar" ersetzt.

Eine obskure Urkunde

Im Dezember 1944 hielt der überrumpelte Keynes in einem Memorandum fest: "Man kann von uns nicht erwarten, eine Urkunde zu unterschreiben, die sich entweder selbst widerspricht oder hoffnungslos obskur ist". Der britische Ökonom und Journalist Paul Einzig deckte schließlich in einem Artikel auf, dass eine Klausel alle teilnehmenden Länder verpflichtete, ihre Währungen innerhalb fester Wechselkurse zu halten - mit Ausnahme der Vereinigten Staaten.

Veränderte politische Rahmenbedingungen ließen Großbritannien aber 1945 wenig Wahl, das Bretton Woods-Abkommen zu ratifizieren. Das Land war finanziell durch den Krieg ausgeblutet und stand kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Rettung: Ein anglo-amerikanisches Kreditabkommen. Die Bedingung: Die Ratifizierung des Bretton Woods-Vertrags.