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Krugman: "Der Kompromiss ist ein Desaster"

Paul Krugman
(c) AP (Heribert Proepper)
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Der Wirtschaftsnobelpreisträger übt scharfe Kritik am US-Sparpaket. Dieses würde dem ohnehin schwachen Wirtschaftswachstum weiter zusetzen.

Während die Märkte erleichtert auf die Einigung im US-Schuldenstreit reagieren, werden auch kritische Stimmen laut. Eine gewichtige ist jene des Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Krugman. In seiner wöchentlichen Kolumne in der "New York Times" schreibt er, dass jetzt wohl viele Kommentatoren sagen würden: "Das Desaster ist abgewendet". Doch das sei falsch, denn: "Der Kompromiss selbst ist ein Desaster - nicht nur für Präsident Obama und seine Partei".

Falsches Signal an die Wirtschaft

Das Billionen-schwere Sparpaket werde dem ohnehin schwachen Wirtschaftswachstum weiter zusetzen. Es sei ein völlig falsches Signal, jetzt die Staatsausgaben drastisch zu reduzieren, so der Ökonom. Dies würde Firmen wohl kaum Mut machen, mehr zu investieren und Kunden nicht dazu bringen, mehr zu konsumieren. In diesem Zusammenhang verglich er die Anhänger einer Sparpolitik mit mittelalterlichen Medizinern, "die Kranke zur Ader ließen und sie damit nur noch kränker machten". Krugman, der sich selbst als "free-market Keynesian" bezeichnet, ist sich daher sicher, dass das Defizitproblem langfristig nur noch schlimmer wird.

"Obama gibt auf", schreibt Krugman. Der US-Präsident habe sich von den Republikanern erpressen lassen. Und er hätte auch anders können: Zum Beispiel, so Krugman, hätte Obama mittels einer Verfassungsbestimmung die Schuldenobergrenze aushebeln können - auch ohne die Zustimmung der Republikaner. Das wäre zwar ein drastischer Schritt gewesen, aber angesichts der "groben Erpressung" gerechtfertigt.

USA als Bananen-Republik

Die USA, so Krugman, seien auf dem Weg in Richtung Bananen-Republik. Er fragt sich: "Wie kann die Demokratie in Amerika funktionieren, wenn gerade jene Partei die Politik diktieren darf, die am skrupellosesten ist und die Sicherheit der Volkswirtschaft gefährdet?"

Kommentatoren in anderen US-Medien nahmen die Einigung bestenfalls verhalten auf. Die Zeitung "Washington Post" schrieb von einer "kurzfristigen Lösung", auf die niemand stolz sein könne. Auch "USA Today" kritisierte, dass grundsätzliche Entscheidungen bei der Budgetsanierung nur aufgeschoben worden seien. Der gemeinsame Plan sei "alles andere als eine Schönheit".

(Red./Ag.)